Aus: Ausgabe vom 22.03.2016, Seite 11 / Feuilleton

Statuen holen Menschen ab. Kubickis jüngster Schreibversuch

Von Wiglaf Droste
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Den FDPisten Wolfgang Kubicki kenne ich weder persönlich noch sonstwie näher, und das darf auch gern so bleiben. An den verbalen Kasperiaden, Fettnapftrampeleien und Großspurigkeiten des ehrgeizig-aufdringlichen Politikerdarstellers aber kommt selbst der – im doppelten Wortsinn – flüchtigste Zeitungsleser nicht vorbei. In der aktuellen Ausgabe des Spiegel schreibt Kubicki seinem jüngst verstorbenen Parteikollegen Guido Westerwelle hinterher. Wie in schlechten Nachrufen oder Lobreden üblich, schiebt der Laudator den Namen des Gefeierten vor, wenn er sich selber meint. »Er war die Freiheitsstatue der Republik«, schreibt Kubicki über Kubicki, nennt sich dabei aber Westerwelle. Hatte er es nicht noch ein paar Nummern größer?

Kubicki verkörpert alles, was Menschen an der FDP verabscheuen: Intriganz bis zum Verrat, Wille zur Teilhabe an der Macht um tatsächlich jeden Preis, die prahlerische Geltungssucht der Inferioren, die Peinlichkeit im medialen Geschäft. Aber »Freiheitsstatue der Republik« – das hätte selbst der gewiefte Windhund Genscher zu seinen bösartigsten Jugoslawien-in-den-Bürgerkrieg-Treiber-Zeiten nicht geschafft.

Doch Kubicki kann es sogar noch infamer, stumpfer, öliger: »Guido hatte das große Talent, die Menschen dort abzuholen, wo sie waren«, schreibt er in vertraulichem Freundeston. Wo aber holte »Guido«, also Westerwelle, »die Menschen ab«? An der Bushaltestelle? Auf dem Wutbürgersteig? Oder gleich im Morgengrauen zu Hause, mit den zwei international bekanntesten deutschen Wörtern auf den Lippen: »Aufmachen, Papiere!«?

Kubicki schreibt über Westerwelle im Präteritum, das die Welt sich für ihn noch aufsparen muss. Bis dahin gilt, ihm zum Glücke: Freedom seinem Arsche!

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