Aus: Ausgabe vom 21.03.2016, Seite 16 / Sport

Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 27. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Kann Darmstadt Champions League? Slobodan Rajkovic beim 1:1 gegen Oskar Zawada von der VW-Werkself

Im Abstiegskampf wird es noch einmal spannend. Die Frankfurter Eintracht gewann gegen den direkten Konkurrenten Hannover durch ein Abseitstor mit 1:0, das erste Tor Ben-Hatiras, der von Hertha geholt worden war. Ein Tor ist nicht viel für einen Stürmer, aber immerhin war es ein entscheidendes, denn jetzt liegt die Eintracht zehn Punkte vor Schlusslicht Hannover. Trotz ihres Sieges ist die Eintracht vom 16. auf den 17. Platz gerutscht, weil Hoffenheim mit 3:1 in Hamburg gewann und nun das bessere Torverhältnis hat. Jetzt kommt sogar der HSV mit 31 Punkten wieder ins Trudeln, denn Darmstädter, Bremer und Augsburger stehen dicht dahinter.

In Hamburg spielte Schiedsrichter Knut Kircher die Hauptrolle. HSV-Keeper René Adler riss Gegner Kevin Volland im Strafraum um, verhinderte damit ein Tor, sah aber nur Gelb. Da die überlegenen Hamburger aus ihren Chancen nichts machten, musste Kircher ihnen zu Hilfe eilen mit einem Elfer für ein Handspiel, das gar keins war. Hoffenheim hingegen konterte, und das nicht schlecht. Die Sinsheimer sind im Aufwind und können im nächsten Spiel gegen Köln die Abstiegsplätze verlassen.

Extrem gefährdet bleibt Frankfurt mit seinem neuen Trainer Nico Kovac, der offenbar so überhaupt nicht in der Lage ist, Aufbruchstimmung zu verbreiten, geschweige denn, eine Handschrift erkennen zu lassen. Auch für die Bremer wird es schwer, aber immerhin gelingt ihnen hin und wieder ein tolles Spiel (so haben sie es ja auch ins Pokalhalbfinale geschafft). Gegen Mainz taten sie sich wieder schwer und schafften mit Müh und Not ein 1:1. Überschattet wurde das Spiel durch die Kopf-ab-Geste, die Bremens Abwehrspieler Papy Djilobodji nach einem Zweikampf mit Pablo De Blasis zeigte (er hatte ihm ins Gesicht gegriffen, De Blasis daraufhin einen Straßstoß gefordert). Ein unschönes Anzeichen der Verrohung in den unteren Tabellenregionen, wo für den Klassenerhalt jedes Mittel legitimiert wird.

Hertha ergaunerte sich mit einem irregulären Treffer gegen Ingolstadt, dem ein klares Foul vorausgegangen war, das der Schiedsrichter nicht pfiff, obwohl er direkt daneben stand, drei Punkte und bleibt auf Platz drei. Direkt dahinter folgt Schalke, das eine vollkommen absurde Partie gegen Gladbach 2:1 gewann. Schalke spielte grottenschlecht, aber Gladbach vergab eine Chance nach der anderen und verhalf den Schalkern mit einem Eigentor, das als eines der kuriosesten in die Fußballgeschichte eingehen wird, zum Sieg.

Champions-League-Viertelfinalist Wolfsburg blamierte sich mit einem 1:1 zu Hause gegen Darmstadt, woran man sieht, dass die CL- und Euro-League-Anwärter nicht viel zu bieten haben. Sie erzittern sich die Punkte, verdanken sie glücklichen Umständen oder den Schiedsrichtern. Und bei Bayern wird Götze nicht einmal mehr für die B-Elf nominiert. Nach dem Weiterkommen in der CL gegen Juve dank eines Schiedsrichters, der ein Tor wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannte, gewann Bayern in einem sogenannten »dreckigen Spiel« gegen zum Ende hin immer stärker werdende Kölner 1:0. Die Dortmunder hatten in einer ähnlichen Situation in Köln am Ende noch zwei Tore kassiert und verloren. Das ist der Unterschied.

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