Aus: Ausgabe vom 21.03.2016, Seite 11 / Feuilleton

Wenn Erdal Rex lächelt

Von Wiglaf Droste
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Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan (Foto Mitte), den seine Freunde »Erdal Rex« genannt hätten, wenn er Freunde gehabt hätte, lächelte. Das kam selten vor, eigentlich nur, wenn er Befehle für Polizeifolter und militärischen Mord unterzeichnete oder dabei zusah, wie man einem ihm missliebigen Schriftsteller die Knochen brechen ließ.

Doch nun umspielten Süffisanz und Befriedigung seine selbstherrischen Züge. Quasi über Nacht hatte man ihn zum Demokraten aufpoliert, ausgerechnet ihn, der nichts mehr verachtete als demokratische Spielregeln, an die man sich unverschämterweise auch noch zu halten hatte, wenigstens pro forma und nach außen hin. Das war Majestätsbeleidigung, die Erdal Rex niemals dulden oder hinnehmen würde.

Und doch war das Kunststück gelungen, einen König, gegen den Herodes wie der Gründer der SOS-Kinderdörfer erschien, als piekfeinen Vertreter der demokratischen Idee zu plakatieren. Das gefiel ihm bei aller Ambivalenz nicht schlecht; manchmal musste man eben auch Geschäfte mit Spinnern machen, mit feigen Pazifisten und Zauderern, für die der finale Todesschuss Ultima ratio war und nicht die Hausmarke.

Wenn ich eine Frau wäre, sinnierte Erdogan kurz, dann wäre ich Frauke Petry, aber dann verwarf er den absurden Gedanken sofort wieder; er, Erdal Rex, würde niemals eine Frau sein, das wäre unter seiner Würde, und die war in seinem Fall tatsächlich nichts als ein Konjunktiv.

Dann ließ er sich Schuhe und Gesicht, was bei ihm ein und dasselbe war, noch einmal polieren und trat vor die Kameras. Und lächelte.

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