• Pol & Pott

Aus: Ausgabe vom 19.03.2016, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Pol & Pott. Konfekt und Kuchen

Von Ina Bösecke

Cyrano von Bergerac« (Frankreich 1990, Regie: Jean-Paul Rappeneau) spielt Mitte des 17. Jahrhunderts in Paris. Die Titelfigur wird von Gerard Depardieu verkörpert, hier noch mit fast normaler Figur. Es handelt sich um einen Dichter und Fechtmeister. Wort- und degengewandt kann er sämtliche Männer der Gegend besiegen, traut sich aber nicht, seiner Cousine seine Liebe zu gestehen (ein Problem, das die Wiener Band Wanda später in ihrem »Bologna«-Hit aufgreifen sollte).

Cyrano schämt sich für seine wahrlich groß geratene Nase, und besagte Cousine Roxane (Anne Brochet) ist eh schon in einen jungen Schönling verliebt (Vincent Perez als Christian), für den Helden bleibt also nur der schmachtende Blick aus der Ferne. Eine etwas merkwürdige Chance ergibt sich durch den Umstand, dass der Schönling nicht besonders wortgewaltig ist, Roxane aber auf Dichtkunst steht. Also schreibt Cyrano fortan die Liebesbriefe für den Glücklichen. Und Roxane verliebt sich noch mehr in den Mann, der so schön aussieht und so feine Dinge schreibt, dass es ihn am Ende gar nicht geben kann.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Edmond Rostand, das schon viele Male vertont und verfilmt wurde. Die Alexandriner des Dramas von 1897 wurden weitgehend übernommen. Und auch das Thema ist zeitlos. Jemanden zu lieben, weil man ihn oder sie durch seine oder ihre Worte zu kennen glaubt, das kennen die Menschen. Was früher Briefbekanntschaften waren, sind heute Facebook-Freunde. Meistens fürchten sich die Liebenden vor dem Moment, in dem sie einander leibhaftig gegenüberstehen. Große Nasen, dicke Bäuche, kleine Füße und weiß der Kuckuck was stehen den so fein ausgedrückten Gedanken und Gefühlen im Weg. Da bleibt dem einen oder der anderen nur noch die Traumwelt, in der auch Cyrano sich über Jahre vergräbt, auch, als Christian längst tot ist.

Kulinarisch hat der Film einiges zu bieten. Zum Beispiel werden in einer Konditorei Pastetchen und Mandelkuchen gebacken sowie Konfekt hergestellt, das köstlich aussieht.

Krokantkonfekt: Ein Backblech mit Olivenöl bestreichen. 130 g feinen Zucker und eineinhalb Teelöffel Wasser in einem schweren Topf bei kleiner bis mittlerer Hitze schmelzen und mit 150 g abgezogenen und fein gehackten Mandeln vermengen. 15 g Butter und einen halben TL Zitronensaft unterrühren. Die Hitze reduzieren und weiter kochen, bis die Masse goldbraun ist. Die Masse auf die geölte Fläche geben und ein Zentimeter dick ausstreichen. In Rauten schneiden und erkalten und fest werden lassen.

Mandelkuchen: Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Springform (20 Zentimeter Durchmesser) mit Butter einfetten und mit 60 g abgezogenen und gehackten Mandeln ausstreuen. Vier Eigelbe und 250 g Zucker in einer Schüssel schaumig rühren. 50 g Mehl, 50 g Speisestärke, 60 gehackte Mandeln, zwei EL Orangenlikör und 120 g Butter sorgfältig einarbeiten. Den Teig in die vorbereitete Form füllen und etwa 40 Minuten backen, dann den Kuchen auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Großzügig mit Puderzucker bestreuen.

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