Aus: Ausgabe vom 18.03.2016, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Inselstaat im Dunkeln

Sri Lanka muss nach Blackout am Sonntag mit täglich sieben Stunden Stromabschaltung leben

Von Thomas Berger
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Autos haben noch Licht: Straßenszene in Sri Lankas Hauptstadt Colombo am Mittwoch

Die Einwohner Sri Lankas müssen noch mindestens bis Ende der Woche mit mindestens siebeneinhalb Stunden Stromabschaltung pro Tag leben. So lange wird es voraussichtlich dauern, das 900-Megawatt-Kohlekraftwerk Norochcholai wieder zum Laufen zu bringen, wie die staatliche Energiebehörde (CEB) gegenüber der einheimischen Presse am Mittwoch bekanntgab. Die Anlage hatte sich abgeschaltet, nachdem es am Sonntag bei einer Verteilerstation außerhalb der Hauptstadt Colombo eine Explosion und einen Brand gegeben hatte. Diese zogen als Folge einen Systemabsturz nach sich – der schlimmste Blackout seit 20 Jahren.

Das mit chinesischer Hilfe errichtete Kraftwerk Norochcholai produziert rund die Hälfte des landesweit benötigten Stroms. Jetzt halten nur noch mehrere kleinere Kraftwerke die Versorgung notdürftig aufrecht. Auf etwaige Reserven durch Wasserkraftanlagen kann nicht zurückgegriffen werden, da die niedrigen Pegel das derzeit nicht hergeben.

Gemessen an anderen südasia­tischen Ländern, gilt die Stromversorgung in Sri Lanka als verlässlich. Ausgerechnet im Februar, als Neuseelands Premierminister zu Gast war und das Land als »leuchtendes Licht in Asien« lobte, gab es zuletzt einen dreistündigen Ausfall. Am Sonntag nun mussten die Einwohner gleich sieben Stunden ohne Elektroenergie auskommen. Noch ist die Lage nicht ganz so schlimm wie im Mai 1996, als der Inselstaat ganze vier Tage ohne Strom dastand.

Norochcholai, das ab 2006 gebaut worden war und 2011 in der ersten Phase 300 MW Leistung ans Netz lieferte, ist nicht nur das erste Kohlekraftwerk des Landes, sondern soll die Stromversorgung von Jaffna im Norden bis Galle im Süden sicherstellen. Nach Inbetriebnahme gab es auf dem Höhepunkt der srilankisch-chinesischen Kooperation unter dem damaligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa viel Lob für das »technische Meisterwerk«. Doch bereits 2014 hat der vormalige Energieminister kritisiert, dass die Anlage bereits in den ersten drei Jahren 35 Störfälle zu verzeichnen hatte.

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