Aus: Ausgabe vom 17.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Strippenzieher des Tages: Hans-Olaf Henkel

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Der Ex-Industriellenboss Hans-Olaf Henkel ist ein umtriebiger Mann. Nach einer Karriere in der Wirtschaft war er sich nicht zu fein, dorthin zu gehen, »wo es brodelt, riecht und stinkt« (Sigmar Gabriel) – in die AfD. Genauer: Ohne Mitbegründer Henkel, der dem Projekt mit Millionen aus der Privatschatulle unter die Arme griff, wäre die Partei vermutlich niemals dort, wo sie nun ist. Henkel gab ihr Stimme und Gesicht, bevor die Petrys und Höckes kamen.

Doch letztere haben gewonnen, Henkel hat verloren. »Viele Leute, die jetzt die AfD gewählt haben, haben keine Ahnung, wen sie da gewählt haben«, fällt dem Mann dazu am Mittwoch bei Focus Online nur noch ein.

Zumindest nicht ihn. Dafür aber vielleicht demnächst Petra Federau. Die Mecklenburger AfD-Kandidatin hat mit Listenplatz drei ein beinahe sicheres Ticket in den Landtag. Die Schweriner Volkszeitung berichte am Mittwoch aus der Vergangenheit der Neupolitikerin: Sie soll für den in Abu Dhabi ansässigen Eskort-Service »Beauty Escort 4You – German Beauties« junge Frauen angeworben und zum Teil auch selbst zu »Einsätzen« in den arabischen Raum begleitet haben. Nun, als AfD-Frau, warnt sie, Deutschland hole sich mit den Flüchtlingen Religionskriege und alle möglichen Krankheiten ins Land.

Ja, was ist das nur für Personal. Koberer, Pleitiers, verkrachte Existenzen – selbst Co-Parteichef Jörg Meuthen brauche »wohl aus finanziellen Gründen das Mandat«, höhnt Henkel dem ehemaligen Parteifreund hinterher. Solche Sorgen sind dem Multimillionär natürlich wesensfremd, er beteiligt sich nur aus tiefster Überzeugung an Rechtsparteiprojekten. Und beschert uns ansonsten Künstler von Welt – wie Ai Weiwei, Deutschlands liebsten antichinesischen Tanzbären. Ja, auch den haben wir Henkel zu verdanken, seit er sich 2011 für dessen Einweisung in die BRD starkgemacht hat. (sc)

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