Aus: Ausgabe vom 16.03.2016, Seite 16 / Sport

Bekenntnisreiche Bühnenshow

Das Symposium der Weltdopingagentur in Lausanne ­brachte wenig Konkretes hervor

Von Tom Mustroph
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Mit eingebautem Bremsklotz in Lausanne: Filmeinspieler auf dem WADA-Symposium am 14. März

Würde der Kampf gegen Doping im Sport in Form eines Wettbewerbs im Achterrudern ablaufen, könnten sich die Trainer nur an den Kopf fassen. Dem Schlagmann folgt kaum jemand. Manch einer zieht den Riemen mit seinem starken Arm so durch, dass niemand hinterherkommt. Andere haben sich auf die Bremswirkung der Karbongeräte im Wasser spezialisiert. Und wieder andere sorgen mit arhythmischen Bewegungen für Schieflagen. Dieses Bild bot sich auf dem Symposium der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) am Montag in Lausanne.

Entschlossen immerhin wirkten alle. Der Präsident des Weltleichtathletikverbands (IAAF) Sebastian Coe etwa, der eine Radikalkur der Weltleichtathletik versprach. Auf erprobte Konzepte anderer Verbände aber will er verzichten. Der Weltverband der Gewichtheber zum Beispiel beschloss, jene Landesverbände vom nächsten Großevent auszuschließen, die mehr als neun Dopingverstöße pro Jahr haben. Bezüglich der diesjährigen Olympischen Sommerspiele in Rio betrifft das Bulgarien.

»Die haben dagegen vor dem CAS (Internationaler Sportgerichtshof, jW) geklagt. Aber die Regel ist eindeutig und wurde vom Verband demokratisch beschlossen«, sagte Magdolna Trombitas, juristische Beraterin des Weltverbandes, in Lausanne gegenüber junge Welt. Auch WADA-Chef Craig Reedie begrüßte die Regelung. Der IAAF-Präsident wehrte jedoch ab. »Nein, bitte nicht die Gewichtheber«, meinte er auf Nachfrage. Coe, der in seiner Bühnenshow den »Schutz des sauberen Athleten« propagierte, traut seinen Mitgliedsverbänden offenbar nicht zu, harte Sanktionsgrenzen zu bestimmen.

In Lausanne inszenierte er sich als entschlossener Antidopingkämpfer. Er betonte, ernsthaft gegen Länder vorgehen zu wollen, deren Antidopingprogramme Lücken aufwiesen. Dass Coe jedoch ausgerechnet die Verbände verpflichten will, für bessere Antidopingstrukturen zu sorgen, verblüfft. »Wir wissen von vielen Ländern, dass sie vor Großevents ihre Sportler testen, um die Schande eines positiven Dopingfalls während des Wettkampfes zu vermeiden«, wies WADA-Generalsekretär David Howman frustriert auf das eigentliche Ziel nationaler Antidopinganstrengungen hin.

Die WADA als unabhängige Agentur wird aber systematisch ausgebremst. Nur 20 Millionen Dollar beträgt ihr Jahresetat. Zur Verbesserung dieser Situation machte sich Howman für eine »Integrity-Abgabe« der Sportverbände aus TV-Einnahmen stark: »Die Sportindustrie könnte einen Prozentsatz von ihren TV-Rechten nehmen, sagen wir 0,5 Prozent, und ihn in den Integritätsbereich von Antidoping und den Kampf gegen Match Fixing und Korruption stecken.«

Eine gute Idee, zu der sich aber weder IAAF-Boss Coe noch Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne äußerten. IOC-Chefmediziner Richard Budgett war stolz darauf, dass sein Arbeitgeber für die olympische Antidoping-Taskforce für Rio »mehrere hunderttausend Dollar« locker mache. Bei TV-Einnahmen im Milliardenbereich würden 0,5 Prozent hingegen Millionen ausmachen.

Wie eingeschränkt die WADA nur agieren kann, zeigt sich auch in einem anderen Bereich. Nachtests von Dopingproben sind bislang nur bei den Wettkampfproben von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften möglich. Proben von den wesentlich aussagekräftigeren Trainingsproben dürfen nur maximal drei Monate gelagert werden.

»Wir haben uns für eine längere Lagerung der Trainingsproben stark gemacht. Aber die Geldgeber unter unseren Stakeholdern (den Vertretern der einzelnen Staaten, TM) haben das bisher abgelehnt«, erklärte Howman gegenüber dieser Zeitung. Der Effekt ist klar: Man vermeidet positive Fälle. Zielgerichtetes Antidoping geht anders.

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