Aus: Ausgabe vom 14.03.2016, Seite 16 / Sport

Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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Hangover in Hannover: Mit der Erstklassigkeit geht es zu Ende, das weiß auch Adam Szalai

Zumindest für Hannover 96 gehen bereits acht Tage vor Saisonende so langsam die Lichter aus, nicht weil mit sieben Punkten der Abstand zum Relegationsplatz bei immerhin 24 noch zu vergebenden Punkten so groß wäre, sondern weil nichts darauf hindeutet, dass dieser Abstand noch egalisiert werden könnte.

Zu Hause empfing 96 die im Mittelfeld herumkrebsenden Kölner, die in der Rückrunde nach ihnen zweitschlechteste Mannschaft, d.h. man spielte gegen einen direkten Konkurrenten. Gegen wen also will Hannover noch punkten, wenn nicht gegen Köln? Hannover zeigte die beste Vorstellung unter der Regie von Thomas Schaaf, aber Köln reichte es, zweimal vors Tor der 96er zu kommen, um zwei Tore zu schießen. Und wenn nicht mal mehr eine gute Leistung hilft, dann sind die Tage in der Regel gezählt, weil nun auch den Spielern der Glaube abhanden kommt, noch etwas bewirken zu können.

Wirklich schlimm wird der Abstieg Hannovers nicht, aber es gibt einige Mannschaften, die man noch weniger in der ersten Liga sehen mag. Hoffenheim z. B., aber auch wenn die immer noch auf einem Abstiegsplatz stehen, so befinden sie sich doch gerade im Aufwind, den der jüngst zum Trainer beförderte 28jährige Julian Nagelsmann brachte. Schon drei Heimsiege hintereinander kann er auf seinem Konto verbuchen. Der dritte war nun der gegen Wolfsburg, ebenfalls ein Verein, der nicht mal in der Champions League sein Stadion voll kriegt, und von dem niemand weiß, was er in der Liga zu suchen hat. 1:0 stand es am Ende, wobei sich Hoffenheim sogar den Luxus erlaubte, einen allerdings zweifelhaften Elfer zu verschießen. Immerhin wurde Wolfsburg auf Abstand zu einem internationalen Tabellenplatz gehalten. Das dieser Verein zumindest auf dem Papier eines der besten acht Teams Europas hat, zeigt einmal mehr, wie zufällig das alles sein kann.

Bei Bayern durfte im Heimspiel gegen Bremen auch Götze mal wieder eine Stunde spielen, weil Guardiola Lewandowski und Robben für das Spiel gegen Juventus schonen wollte, und weil Bremen bereits vorher signalisiert hatte, dass man sich mit einer Niederlage abgefunden hat. Jedenfalls verschafften sich die beiden Stammspieler Junuzovic und Fritz mit erschummelten gelben Karten eine Spielpause gegen die Bayern und müssen, weil sie es auch noch zugaben, jeweils 20.000 Euro Strafe bezahlen.

Frankfurt hat einen neuen Trainer: Niko Kovac. Das scheint keine gute Idee gewesen zu sein, denn die Eintracht brachte gegen Gladbach nur haarsträubende Fehler zustande. Diesen Erfolg hätte man auch mit Armin Veh haben können. Wenn ein neuer Trainer es nicht schafft, der Mannschaft neues Vertrauen zu geben, dann hat sich seine Verpflichtung als Rohrkrepierer erwiesen, vor allem, wenn es um einen schnellen Erfolg geht und der Abstieg droht. Kovac hat nur für die erste Liga unterschrieben, d. h. für neun Spiele, ein Signal für jeden Spieler, dass der Trainer eins bestimmt nicht will, nämlich mit der Mannschaft durch dick und dünn gehen. Und genau deshalb wird die Eintracht auch zum fünften Mal in zwanzig Jahren wieder absteigen. Ohne Kovac, was mit Sicherheit auch besser ist. Gladbach hingegen bleibt den Berlinern auf den Fersen, die sich mit einem Heimsieg gegen Schalke weiter hartnäckig auf Platz drei halten. Gegen Schalke gewinnen muss in einer Woche Gladbach, dann könnte es für die Hertha noch mal eng werden.

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