Aus: Ausgabe vom 12.03.2016, Seite 1 / Ausland

Türsteher will Geld

Mazedoniens Regierung fordert Gegenleistung für Grenzschließung. Keine Entspannung in Griechenland

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Sondereinheiten der mazedonischen Polizei an der Grenze zu Griechenland

Mazedonien fühlt sich nach der Schließung seiner Grenze zu Griechenland als Türsteher der Europäischen Union und verlangt nun eine entsprechende Gegenleistung. Sein Land bezahle für die Fehler der EU, sagte Präsident Gjorge Ivanov am Freitag der Bild. Damit schütze seine Regierung Europa vor Griechenland, das Flüchtlinge einfach weitergeschickt habe. Dennoch bekomme Athen jetzt schon wieder 700 Millionen Euro von der EU, während Mazedonien keinen Cent sehe, übernahm der Staatschefs die bei Bild so beliebte Hetze gegen die Griechen. Nach Slowenien, Serbien und Kroatien lässt auch Mazedonien seit Mittwoch nur noch Menschen mit gültigem Reisepass und Visum passieren.

Den Preis für die Abschottung Europas bezahlen weiter die Menschen, die noch immer zu Tausenden an der griechisch-mazedonischen Grenze ausharren. Obwohl einige hundert Schutzsuchende das provisorische Aufnahmelager bei Idomeni inzwischen verlassen haben, befanden sich dort am Freitag morgen noch mehr als 12.500 Flüchtlinge. Der griechische Bürgerschutzminister Nikos Tsokas zeigte sich im Fernsehsender Mega dennoch zuversichtlich, dass sich die Lage in Idomeni in ein bis zwei Wochen normalisieren werde. »Wir müssen die Menschen überreden, in andere Lager zu gehen. Gewalt wollen und werden wir nicht anwenden. Das wäre unmenschlich. Mit Tränengas geht das nicht.« Athen baue trotz finanzieller Schwierigkeiten wöchentlich Aufnahmelager für 10.000 Menschen, sagte Regierungschef Alexis Tsipras am Freitag bei einem Treffen mit dem EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, in Athen.

Unterdessen wagen noch immer Hunderte mit Schlauchbooten die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Griechenland. Insgesamt sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in den ersten neun Märztagen 13.661 Menschen aus der Türkei nach Griechenland gekommen, im gesamten März 2015 waren es 7.874. Seit Jahresanfang haben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 455 Menschen die Flucht über das Mittelmeer nicht überlebt. (dpa/jW)

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