Aus: Ausgabe vom 10.03.2016, Seite 16 / Sport

Verhaltenes Tempo

Die erste Hälfte der Champions-League-Achtelfinals ist gespielt

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Hoch das Bein. Roms Edin Dzeko (r.) spielt den Ball unkonventionell

Real Madrid ist zum sechsten Mal in Folge ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Die Spanier, die in den vergangenen fünf Jahren sogar jeweils das Halbfinale erreichten und 2014 den Cup gewannen, entschieden gegen den AS Rom nach dem 2:0 im Hinspiel auch die zweite Partie mit 2:0 für sich. Zum Retter wurde dabei zunächst Torhüter Keylor Navas, der einige Glanzparaden zeigte. Dann brach der dreimalige Weltfußballer Cristiano Ronaldo (64.) den Bann. Nach acht Champions-League-Spielen dieser Saison hat er bereits 13 Tore auf dem Konto. Kurz darauf legte James Rodriguez nach (67.).

Am Dienstag zeigten die Römer gegen Madrid eine gute Leistung, die Niederlage im Hinspiel war jedoch eine zu große Hypothek und die Chancenauswertung zu dilettantisch. Die Statistik zur Halbzeit schien auf ein klar dominantes Spiel der Gastgeber hinzudeuten: 18:4 Torschüsse standen zu Buche, jeweils 63 Prozent Ballbesitz und gewonnene Zweikämpfe sowie 6:0 Ecken. Doch vieles war brotlose Kunst.

Da war die Roma sogar gefährlicher, gleich zweimal lag das 0:1 bei Zusammenspielen zwischen Edin Dzeko und Mohamed Salah in der Luft. Zunächst bediente der Ägypter den Bosnier, der aus guter Position vorbeischoss (14.), dann traf Salah nach Zuspiel des früheren Bundesligatorschützenkönigs alleine vor Navas das Außennetz (28.). Roms Keeper Wojciech Szczesny wurde bei den 18 Schüssen des ersten Durchgangs nur zweimal ernsthaft geprüft, durch tückische Aufsetzer von Luka Modric und Ronaldo. Zudem traf Marcelo das Außennetz (8.).

Nach dem Wechsel dasselbe Bild: Real ließ Ball und Gegner laufen, die Roma konterte gefährlich – und vergab die nächste, sich bietende Großchance fahrlässig. Diesmal wieder durch Salah, der aus zehn Metern alleine vor Navas neben das Tor schoss (50.). Und sieben Minuten später scheiterte der Grieche Kostas Manolas am starken Keeper. Die Strafe durch Ronaldo folgte auf dem Fuße, die Moral der Italiener war damit gebrochen.

Ebenfalls am Dienstag spielte der VfL Wolfsburg gegen KAA Gent. André Schürrle erzielte das Siegtor zum 1:0 Endstand im Achtelfinal-Rückspiel. Nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel zog der lange Zeit schwach agierende VfL erstmals in die Runde der letzten acht ein.

Vor nur 23.457 Zuschauern in der erneut in der Champions League nicht ausverkauften VfL-Arena boten beide Teams lange Zeit Fußball zum Abgewöhnen. Die Wolfsburger wollten nicht, die Gäste konnten nicht. Erst zum Ende des Spiels ergaben sich für die Gastgeber Torchancen, eine davon nutzte Schürrle (74.) nach Vorlage von Julian Draxler. Schürrle hatte zuvor mehrere Hochkaräter vergeben.

Den Gästen aus Gent war zunächst durchaus anzumerken, dass sie sich trotz der Enttäuschung aus dem Hinspiel noch nicht geschlagen geben wollten. Belgiens Meister agierte druckvoll und suchte mit schnellem Spiel über die Außen die Offensive. Dabei leistete sich der Tabellenzweite der belgischen Liga allerdings immer wieder Abspielfehler. Nach zuletzt guten Leistungen in der Bundesliga schien sich Wolfsburg mit zunehmender Spielzeit angesichts der guten Ausgangslage auf das Nötigste beschränken zu wollen. Im Zweikampf fehlte häufig der Biss, das Tempo im Aufbauspiel blieb sehr verhalten. Die erste Halbzeit bot kaum Chancen oder sehenswerte Szenen, die Zuschauer empfanden den Halbzeitpfiff wie eine Erlösung. Auch im zweiten Durchgang endeten Gents Bemühungen spätestens am Strafraum. Im Angriffszentrum hatte der Gast keinerlei Durchschlagskraft. Topstürmer Laurent Depoitre, der wegen einer Bauchmuskelverletzung nur auf der Bank saß, wurde schmerzlich vermisst. (sid/jW)

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