Aus: Ausgabe vom 10.03.2016, Seite 11 / Feuilleton

Tanz auf den Synkopen

Das Chansonduo Carrousel ist mit neuem Album auf Tour

Von Daniela Noack
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Aus dem Takt geraten, aber à la bonne heure: Léonard Gogniat und Sophie Burande

Sie haben sich nicht gesucht und doch gefunden. Er saß mit seinem Akkordeon und ein paar Freunden in einem Café in Südfrankreich. Auf der Terrasse des Cafés gegenüber spielte eine Frau Akkordeon und sang. Er ging zu ihr, nach ein paar Worten war es passiert. »Liebe auf den ersten Blick«, sagen Sophie Burande und Léonard Gogniat vom Chansonduo Carrousel. Beide sind Anfang 30. Beide haben vor vier Jahren den Lehrerberuf an den Nagel gehängt und machen nur noch Musik, Neo Chanson, wie Zaz oder Coralie Clément.

Gerade haben die Französin und der Schweizer ihr drittes Album nach »Tandem« (2010) und »En équilibre« (2012) herausgebracht. Es heißt »L’euphorie«. Ein Wort aus dem Griechischen, das auch für Fruchtbarkeit und Produktivität steht und auf die beiden passt. An die 500 Konzerte haben die beiden bisher gegeben, auch auf dem renommierten Montreux Jazz Festival. Aktuell sind sie wieder auf Tour quer durch (Ost-)Europa: Slowakei, Ungarn, Österreich, Schweiz, Rumänien, Tschechien, Serbien, Luxemburg, Kosovo.

Ihr zweistimmiger Gesang wirkt bei aller Professionalität immer ein bisschen entrückt und verspielt. Das gilt auch für die poetischen Texte in der französischen Muttersprache der beiden. Neben dem Akkordeon kommen Gitarre, Ukulele, Melodika und »kleine Instrumente« wie das Glockenspiel zum Einsatz. Die Mischung macht’s: Begeisterung mit einem Schuss Wehmut, einer Prise Zweifel und einer ordentlichen Portion Dünnhäutigkeit. Chanson wird mit Folkrockelementen angereichert, atmosphärische Klänge mit Melodica-Trillern und manchmal kommt ein wenig Straßenmusikflair auf. Die Begleitband – Thierry Cattin (Schlagzeug), Christian Bron (Bass) und Mathieu Fritz (Keyboard) – ist mit dem Duo auf Tour.

So erzählt das Album ein modernes Märchen von harter Arbeit, Schaffensfreude und glücklichen Wendungen. Unermüdlich sammeln Burande und Gogniat, die im schweizerischen Kanton Jura zu Hause sind, Ideen, Texte und Melodien. Abgerundet wurde der Sound von »L’euphorie« mit Klavier-, Hammond-Orgel- und Banjo-Einspielungen des bekannten Musikers Jean-Louis Piérot, der schon für Größen wie Bashung oder Brigitte Fontaine komponierte oder am Mischpult stand.

Als moderne Troubadoure glauben Burande und Gogniat noch an die Wunder dieser Welt. Ein Hauch von argentinischem Tango kennzeichnet »Sur un volcan«. Aus dem Takt geraten, tanzt das Paar da auf den Synkopen. Und der Funke springt über aufs Publikum. Ein Feuerwerk an Lebensfreude, leicht und beschwingt. Carrousel haben verstanden: Was Tiefe hat, muss nicht schwermütig sein.

Carrousel: L’euphorie (Jazzhouse Records), Tourtermine (Auszug): 16.3. Wien, 19.3. Budapest, 23. u. 26.3. Belgrad, 30.3. Prag, 9.4. Konstanz, 13.4. Frankfurt a. M., 14.4. Halle (Saale), 15.4. Bremen, 16.4. Wuppertal, 19.4. Trier, 20.4. Marburg

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