Aus: Ausgabe vom 10.03.2016, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Gewerkschaft UAW kritisiert VW

Nach Abgasaffäre: Deutscher Automobilkonzern agiert in den USA »zum eigenen Schaden«

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Die US-Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) geht hart mit der Führung der Volkswagen AG ins Gericht. VW agiere sowohl in der Manipulationsaffäre (bei den Abgaswerten von in Fahrzeugen verbauten Dieselmotoren) als auch im Umgang mit Gewerkschaften in den USA zum »eigenen Schaden«, sagte UAW-Sekretär Gary Casteel der französischen Nachrichtenagentur AFP. Casteel hielt sich in dieser Woche in Deutschland auf, um mit der IG Metall über die Situation im Volkswagenwerk Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee zu sprechen.

Die Auswirkung des Skandals auf den Ruf des Autobauers in den USA sei »wirklich groß«, ergänzte Casteel. Bis vor dem Auffliegen der Betrügereien habe die Marke VW einen sehr guten Ruf in den USA genossen – nun sei »viel Mühe notwendig, um die Reputation wieder herzustellen«.

Der Skandal habe auch massive Auswirkungen auf die Beschäftigten. Die Situation für die Angestellten in Chattanooga bezeichnete der Gewerkschafter als »chaotisch«. Viele Arbeiter seien verunsichert. Ohne gewerkschaftliche Vertretung hätten sie derzeit kaum Möglichkeiten, an offizielle Informationen zu kommen – und das obwohl die Manipulationsaffäre für große Verunsicherung sorge.

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VW-Kritiker: UAW-Sekretär Gary Casteel (l.) mit IG-Metall-Funktionär Wolfgang Lemb im November

Volkswagen hat in den USA derzeit Probleme mit der Gewerkschaft. Die UAW wirft dem Autobauer vor, in Chattanooga den Mitarbeitern eine gewerkschaftliche Vertretung zu verweigern. Der Streit mit der Gewerkschaft kommt für die Konzernführung zur Unzeit, da das Unternehmen seit geraumer Zeit versucht, seinen ramponierten Ruf wiederherzustellen.

Im vergangenen Dezember hatte ein Teil der Arbeiter in Chattanooga dafür gestimmt, sich durch eine Gewerkschaft – die UAW – vertreten zu lassen. Die Wahl war ein Novum, da die VW-Mitarbeiter die ersten Beschäftigten eines ausländischen Automobilkonzerns in den US-Südstaaten überhaupt waren, die für eine gewerkschaftliche Vertretung stimmten. In dem Werk in Tennessee beschäftigt Volkswagen rund 2.500 Menschen. Künftig soll dort ein neuer sportlicher Geländewagen (SUV) mit dem Namen »CrossBlue« für den US-Markt gebaut werden. (AFP/jW)

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