Aus: Ausgabe vom 10.03.2016, Seite 8 / Ansichten

AKW sofort abschalten

E.on und RWE in roten Zahlen

Von Wolfgang Pomrehn

Die Energiekonzerne haben ein Problem. Vor einigen Jahren brachten es die »großen vier«, E.on, RWE, Vattenfall und EnBW, noch auf satte Gewinne. Doch diese schönen Zeiten sind fürs erste perdu. RWE musste am Dienstag einen Verlust von 170 Millionen Euro einräumen. Vor allem Abschreibungen in Höhe von 2,1 Milliarden Euro auf alte Kohlekraftwerke sind dafür verantwortlich. Dividende gibt es nur noch 13 Cent pro Aktie und die auch nur für einige Vorzugsaktionäre. E.on geht es noch schlechter. Am Mittwoch schreckte das Unternehmen die Märkte mit einem Verlust von fast sieben Milliarden Euro. Schuld sind auch hier vor allem Abschreibungen auf den Kraftwerkspark. 8,8 Milliarden Euro wurden aus den Büchern gestrichen. Dividende – 50 Cent pro Aktie – gibt es dennoch, der Konzern verteilt halt ein bisschen von seiner verbleibenden Substanz.

Um die ist es bei beiden schlecht bestellt, und das ist bedenklich. In den Unternehmen sind zweistellige Milliardenbeträge gebunden. Der Abriss der Atomkraftwerke, die sichere Entsorgung ihrer strahlenden Bestandteile, die Endlagerung der hochradioaktiven alten Brennstäbe muss finanziert und für letzteres noch ein halbwegs sicherer Ort gefunden werden. Rund 38 Milliarden Euro sind dafür bei allen Betreibern bisher vorgesehen. Doch mancher Kenner der Materie meint, dass deutlich mehr vonnöten sein wird. Hinzu kommt: Die zurückgestellten Mittel sind nicht insolvenzfest. Geht ein Energiekonzern pleite, so sind auch diese futsch. Die Allgemeinheit müsste einspringen.

Seit einiger Zeit wird daher von verschiedenen Seiten die Einrichtung eines öffentlich-rechtlichen Fonds gefordert, in den die Rückstellungen überführt werden sollen. Doch beim derzeitigen Stand der Aktienkurse sind die Unternehmen auch dazu kaum in der Lage, jedenfalls nicht mit einer Einmalzahlung. Eine Ratenzahlung müsste vereinbart werden, aber die darf die Konzerne nicht aus ihrer gesetzlichen Haftungsverpflichtung entlassen. Und es müsste aufgehört werden, die Kosten weiter in die Höhe zu treiben. Denn derzeit wird in den verbliebenen acht AKW noch immer jede Menge hochradioaktiver Müll produziert. Der muss dann über viele Jahrzehntausende sicher von der Umwelt abgeschlossen werden. Dabei könnten die AKW von heute auf morgen abgeschaltet werden. Es müsste nur der Stromhandel mit dem Ausland wieder eine ausgeglichene Bilanz aufweisen und die jetzige Auslastung der Gaskraftwerke von lächerlichen zwölf Prozent auf 28 Prozent gesteigert werden. Ein interessanter Nebeneffekt wäre, dass die verbleibenden Kraftwerke mehr Geld erwirtschaften könnten, weil das strompreisdrückende Überangebot, von dem die privaten Verbraucher auf wundersame Weise nichts spüren, gemindert würde.

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