Aus: Ausgabe vom 09.03.2016, Seite 16 / Sport

Lesen Sie die Packungsbeilage

Maria Scharapowa wusste nicht, dass ihr Medikament auf der Dopingliste steht

Von Simon Zeise
RTR1T9FL.jpg
Gemein. Wegen des Meldoniums haben sich die Sponsoren gegen Scharapowa verschworen

Das Ereignis wiegt schwerer als ein Fleck auf ihrem weißen Tenniskleid. Am Montag trat die Tennisspielerin Maria Scharapowa in Los Angeles vor die Presse, um zu gestehen. Bei den Australian Open im Januar sei sie positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet worden, das habe ihr der Weltverband ITF mitgeteilt. »Ich habe einen riesigen Fehler gemacht und meine Fans und meinen Sport im Stich gelassen«, sagte sie.

Die Rechtshänderin erklärte, eine Änderung in den Dopingregularien der Weltantidopingagentur (WADA) sei für den Verstoß verantwortlich. Die WADA hatte die Substanz zum 1. Januar dieses Jahres auf die Verbotsliste gesetzt. Laut Mitteilung des Tennis-Antidopingprogramms wird die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin mit Wirkung vom 12. März vorläufig suspendiert.

Ein sofortiges Karriereende schloss die 28jährige allerdings aus. »Ich hoffe, ich bekomme noch eine weitere Chance«, sagte Scharapowa. Sie könne niemand anderes als sich selbst für den positiven Test verantwortlich machen, sie habe die neue Liste der WADA, die ihr am 22. Dezember des vergangenen Jahres zugeschickt worden war, nicht gelesen. »Wenn ich einmal meine Karriere beende, dann nicht in solch einem Hotel, in Down Town Los Angeles, mit so einem hässlichen Teppich«, fügte sie hinzu. Scharapowa sagte, dass sie das Medikament gegen ihren Diabetes nehme, erstmals habe sie es von ihrem Arzt 2006 verschrieben bekommen, weil sie damals oft krank gewesen sei.

Fies reagierte die frühere Tennis Nummer eins, Jennifer Capriati, am Dienstag. Sie zwitscherte per Kurznachricht: »Ich musste meine Karriere aufgeben, habe aber nie die Möglichkeit genutzt, zu betrügen. Ich musste das Handtuch werfen und leiden«, schrieb die zweimalige Australian-Open-Siegerin und fügte an: »Ich hatte kein teures Ärzteteam, das mir beim Betrügen half.« Capriati zweifelte die Darstellung Scharapowas an, sie habe Meldonium aus gesundheitlichen Gründen konsumiert. »Warum nimmt man ein Mittel ein, das gegen Herzbeschwerden hilft und dich schneller regenerieren lässt, wenn du nicht unter Herzproblemen leidest?« fragte Capriati. Inzwischen hat sie die Tweets wieder gelöscht. Das einstige »Wunderkind« Capriati, das mit 13 Jahren erstmals an einem WTA-Turnier teilgenommen hatte, ist der Öffentlichkeit wegen Ladendiebstahls, Stalkings und Marihuana-Besitzes in Erinnerung geblieben.

Scharapowa geht es nach ihrem Dopinggeständnis nun ans Geld. Der US-Sportartikelhersteller Nike setzte seinen millionenschweren Vertrag mit der 28jährigen Russin noch am Montag abend aus. »Wir sind traurig und enttäuscht von den Nachrichten«, sagte Nike-Sprecher KeJuan Wilkins gegenüber AFP: »Wir haben deshalb beschlossen, unseren Vertrag mit Maria für die Dauer der Untersuchungen ruhen zu lassen.« Die Schuhe mit dem Namen der griechischen Siegesgöttin trug Scharapowa seit 2010 spazieren. In acht Jahren erhielt sie dafür 70 Millionen US-Dollar. Auch beim Autobauer Porsche wird sie seit Dienstag keinen Rabatt mehr erhalten. Die Schwaben hatten sich kurzerhand »entschieden, die geplanten Aktivitäten auszusetzen«. Und der Schweizer Uhrenhersteller TAG Heuer ließ wissen, dass der auslaufende Kontrakt mit der Tennisspielerin nicht verlängert werde. Allein im Jahr 2015 hatte Scharapowa laut Forbes-Liste 29 Millionen Dollar »verdient«, davon 22 durch Werbung.

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Sport