Aus: Ausgabe vom 09.03.2016, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Fremdschämen mit Kanaken

Studio Amani | Montag, 23.15 Uhr, Pro Sieben

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Das Wort »fremdschämen« steht bereits seit 2009 im Duden. Nach einer Folge der neuen »Comedy«-Sendung »Studio Amani« auf Pro Sieben hat man aber das Gefühl, das Wort hat dort seit sieben Jahren nur gewartet. Eine andere Beschreibung ist kaum möglich bei einer Show, deren Höhepunkt eine – inzwischen gelöschte – Twitter-Nachricht der Polizei Schwerin ist, der zufolge sie nach Einbrüchen zwei türkische Täter suchte, von denen einer aussehe »wie ein Indianer«. Darüber sollte man sich lustig machen, so wie es in »sozialen Medien« bereits seit über einer Woche passiert. Gut abgehangen könnte man so einen Gag wohlwollend nennen. Moderatorin Enissa Amani nutzt das Wort »Kanake« – ein angekündigter Aufreger, darauf folgt die pädagogische Belehrung, nur Menschen mit Migrationshintergrund sollten es benutzen. Danke, wären wir nie drauf gekommen. Die Lektion, dass Meerschweinchen scheue Tiere sind, die nicht in ein lautes Fernsehstudio gehören, wäre besser gewesen. Dann hätten alle was lernen können. (cwr)

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