Aus: Ausgabe vom 09.03.2016, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Durchhalteparolen in Wolfsburg

Dritte Betriebsversammlung im Krisenmodus: VW setzt auf »Geschlossenheit«

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Beschäftigte bei Betriebsversammlung im VW-Stammwerk Wolfsburg am Dienstag

Ein halbes Jahr nach dem Bekanntwerden der Manipulationen von Abgaswerten bei Volkswagen sind die weltweiten Konsequenzen für Konzern und Mitarbeiter weiter nicht absehbar. Die Botschaft von Vorstandschef Matthias Müller, Betriebsratschef Bernd Osterloh und Aufsichtsrat Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen, bei der dritten Betriebsversammlung seit Bekanntwerden des Skandals an mehr als 20.000 Beschäftigte im VW-Stammwerk war am Dienstag klar: aufmuntern, Reihen schließen und (womöglich sogar) aufklären.

»Ich will Ihnen heute Mut zusprechen«, verkündete der Konzernchef. »Volkswagen war in der Vergangenheit immer wieder mit großen Herausforderungen konfrontiert.« Es sei aber auch immer wieder gelungen, sich in Krisenzeiten neu auszurichten, »zu restrukturieren und – zum Beispiel durch neue Aufgaben – für sichere Beschäftigung zu sorgen«.

Müller rief alle Verantwortlichen und Mitarbeiter zur Geschlossenheit auf. Mit Blick auf die Medien beklagte er, dass dort oft zu zugespitzt oder einseitig über die Krise berichtet werde. Trotzdem überschatteten Sorgen um die Sicherheit der Jobs das Treffen. »Sollte die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen durch eine Strafzahlung in bislang einmaliger Höhe nachhaltig gefährdet werden, wird dieses auch dramatische soziale Folgen haben – nicht nur an unseren US-amerikanischen Standorten, sondern auch in Europa und anderswo«, sagte Osterloh. VW hoffe sehr, dass die US-Behörden diese soziale und beschäftigungspolitische Dimension mit im Blick haben.

In den USA drohen dem Konzern Strafen in Milliardenhöhe. Die Vereinigten Staaten selbst, mehrere Bundesstaaten und viele Zivilkläger gehen dort gegen VW vor. Anders als daheim ist ein Plan für die Nachbesserungen an den etwa 600.000 manipulierten US-Wagen noch nicht unter Dach und Fach. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge betroffen.

Weil (SPD) betonte, die Zeit schlechter Nachrichten infolge der Krise sei wohl noch nicht vorbei. Details zu seiner Warnung nannte er aber nicht. Das Land Niedersachsen ist – nach den Familien Porsche und Piëch – zweitgrößter Aktionär bei VW. (dpa/jW)

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