Aus: Ausgabe vom 09.03.2016, Seite 1 / Inland

400.000 Asylanträge sind unerledigt

Chaos beim Bundesamt: Flüchtlinge warten oft monatelang auf Anerkennungsverfahren

Bundesamt_fuer_Migra_47827039.jpg

Der Berg unerledigter Asylanträge in Deutschland wächst weiter an. Ende Februar türmten sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) genau 393.155 unbearbeitete Anträge, wie das Bundesinnenministerium am Dienstag in Berlin mitteilte. Ende Januar waren rund 372.000 Verfahren anhängig gewesen. Im Vergleich zum Januar und Februar des Vorjahres verdoppelte sich die Zahl neu eingereichter Asylanträge. Insgesamt ersuchten 120.642 Menschen in den ersten beiden Monaten um Asyl, ein Plus von 132 Prozent. Die meisten Antragsteller kommen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.

Im Monat Februar beantragten 67.800 Menschen in Deutschland Asyl, 30 Prozent mehr als im Januar. Entschieden worden sei über 51.500 Asylanträge. BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise hat angekündigt, seine Behörde wolle in diesem Jahr über bis zu 1,2 Millionen Asylanträge entscheiden, um den Rückstau der Vorjahre abzubauen und auch neue Fälle rasch abzuschließen. Im Durchschnitt dauerten die Verfahren im vergangenen Jahr nach BAMF-Angaben 5,2 Monate. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte, im Januar und Februar habe die oberste Asylbehörde mit über 100.000 Entscheidungen bereits mehr Anträge abgearbeitet als in den ersten fünf Monaten des vergangenen Jahres zusammen. Die »beachtliche Steigerung« sei auf Personalzuwachs und Mehrarbeit zurückzuführen.

Im vergangenen Jahr musste beinahe jeder Schutzsuchende nach der Registrierung mindestens drei Monate – teilweise bis zu einem Jahr – warten, um überhaupt einen Asylantrag stellen zu können, kritisierte die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, gegenüber jW. Auch das Asylverfahren für Flüchtlinge mit hohen Anerkennungsquoten dauert nach Antragstellung oft über ein Jahr, kritisierte die Abgeordnete. So zogen sich bei afghanischen, eritreischen und somalischen Flüchtlingen die Verfahren durchschnittlich 13 bis 14 Monate hin. (Reuters/jW)

Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Mehr aus: Inland