Aus: Ausgabe vom 08.03.2016, Seite 15 / Betrieb & Gewerkschaft

Gleiches Geld

Gutachten: Schlechtere Einstufung von Grundschullehrkräften ist »mittelbare Diskriminierung« von Frauen. GEW fordert gerechte Entlohnung

Von Claudia Wrobel
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Die Einordnung von pädagogischer Arbeit als geringwertig bedient ein Geschlechterstereotyp

Eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts soll in Deutschland unter anderem durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ausgeschlossen sein. Dass dem nicht immer so ist, ist eine Binsenweisheit. Das zeigt zum Beispiel die Entlohnung von Grundschullehrkräften, die zu 87,36 Prozent weiblich sind. Sie werden der Besoldungsgruppe A12 zugeordnet, für die im allgemeinen ein Bachelorabschluss ausreichend ist. Voraussetzung für das Lehramt an Grundschulen sind jedoch Master beziehungsweise Staatsexamen und Referendariat. Bei allen anderen Lehrkräften stimmen besoldungsrechtliche Zuordnung zu A13 und Zugangsvoraussetzungen überein. Die Differenz zwischen beiden Gruppen beträgt je nach Bundesland mehrere hundert Euro pro Monat. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert deshalb erneut gleiche Bezahlung für gleichwertige Arbeit.

»Kleine Kinder kleines Geld, große Kinder großes Geld: Nach diesem ungeschriebenen Gesetz werden Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland bezahlt. Mit dieser Diskriminierung, die insbesondere Frauen trifft, muss endlich Schluss gemacht werden«, sagte GEW-Vorsitzende Marlis Tepe mit Blick auf den Internationalen Frauentag. Bereits in der vergangenen Woche legte die Gewerkschaft ein Gutachten vor, in dem die Juristinnen Eva Kocher, Stefanie Porsche und Johanna Wenckebach darlegten, dass durch die Besoldungspraxis eine »mittelbare Geschlechterdiskriminierung« vorliegt. So seien die Besoldungsvorschriften zwar geschlechtsneutral formuliert, wirkten sich aber überwiegend für ein Geschlecht nachteilig aus.

Zum einen ziehen sie eine Pilotstudie aus dem Jahr 2008 heran, die nachweist, dass zwischen den Tätigkeiten von Grundschul- und Gymnasiallehrkräften keine nennenswerten Unterschiede bei den intellektuellen Anforderungen bestehen. Die physischen Anforderungen und psychosozialen Belastungen sind an Grundschulen sogar höher, was mit erschwerter Interaktion und der Konfrontation mit Problemen von Kindern und ihren Familien erklärt wird.

Auch die Wertung der überwiegend pädagogischen Arbeit als geringwertig verglichen mit den fachlichen Erfordernissen an weiterführenden Schulen hält einer Überprüfung durch die Autorinnen nicht stand. Im Gegenteil: Für sie reproduziert diese Herangehensweise das Geschlechterstereotyp, wonach Wissenschaft rational und männlich, Pädagogik hingegen emotional und weiblich sei.

Für die GEW ist klar, dass Grundschullehrerinnen und -lehrer damit Anspruch auf die gleiche Bezahlung wie ihre Kollegen haben. »Es wird Zeit, dass wir im 21. Jahrhundert ankommen und diesen traditionellen Frauenberuf endlich aufwerten«, unterstrich Tepe.

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