Aus: Ausgabe vom 04.03.2016, Seite 16 / Sport

Von Unterschied und Klasse

In Rom fällt das Mailänder Lokalderby aus: Das war das Halbfinale bei der Coppa Italia

Von André Dahlmeyer
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Einfach nur den Fuß hinhalten: Alessio Romagnoli

Endlich geht es wieder um was. Am Dienstag und Mittwoch wurden die Halbfinalrückspiele des TIM Cup 2015/16, besser bekannt als Coppa Italia, ausgetragen.

Zunächst traf der A. C. Milan im Giuseppe-Meazza-Stadion Mailands auf Unione Sportiva Alessandria Calcio 1912. Der Klub aus dem Piemont war die Sensation Italiens. Es war der erste Drittligist seit 1984, der ein Halbfinale der Coppa erreicht hatte. Alessandria? Da spielte einst einer der besten Fußballer des 20. Jahrhunderts: Gianni Rivera. Aber das war alles gestern.

Das Hinspiel hatte Milan schon durch einen Elfmeter von Balotelli mit 1:0 für sich entschieden. Gegen die Rossoneri hatten die Grauen also nichts zu verlieren. Zehntausend Anhänger waren mitgereist und gaben alles. Zwanzig Minuten lang dominierte Alessandria das Geschehen, aber die Pille wollte einfach nicht rein gegen den großen Konkurrenten. Es klingelte nur auf der anderen Seite, wo der Nordfranzose Jérémy Ménez nach Vorarbeit von Honda unbedrängt mit einem Rechtsschuss ins lange Eck zum 1:0 knipsen konnte. Sein erster Treffer seit fast einem Jahr.

Die Gäste erbrachen daraufhin all ihr Selbstbewusstsein. Genauso hatte Milan gewettet. Nach einem Eckball brauchte der gebürtige Römer Alessio Romagnoli am linken Pfosten nur noch den rechten Fuß hinzuhalten und die Chose stand 2:0. Ménez erhöhte noch vor der Pause aus vier Metern auf 3:0 und sagte, dass das verdammte Spiel gegen den »Fußball-Zwerg« nun aber mal »sau-entschieden« sei.

Was für ein Vokubalar haben diese Unterhosenmonster! Während des Schlussakkordes zeigten sich die Grauen farbiger. Vor allem Kopfballchancen nach Flanken von rechts wurden herausgespielt, hervorzuheben im Versieben ist hier der Südtiroler Manuel Fischnaller. Am Ende gewann Milan 5:0. Der Kicker war zufrieden. Die Lombarden hätten stark kombiniert und »eindrucksvoll den vorhandenen Klassenunterschied« demonstriert. Seit wann ist ein Klassenunterschied eindrucksvoll? Das ist doch nur das Prinzip FIFA. Der A. C. Milan steht jedenfalls seit 13 Jahren wieder im italienischen Pokalfinale, das am 21. Mai in Rom gespielt wird. Der Gegner heißt leider nicht Internazionale, das Mailand-Derby in Rom muss ausfallen.

Denn der Lokalrivale spielte einen Tag später im selben Stadion gegen »die alte Dame« aus Turin. Die hatte schon den Hinkampf mit 3:0 eingetütet. Es gab nur noch Unverbesserliche wie mich, die auf Inter gewettet hatten. Und Inter machte das 0:3 in einem großen Spiel wett. In der Verlängerung hatte man die besseren Chancen, konnte aber nichts mehr draufpacken. In den letzten Sekunden musste Inter-Torhüter Juán Pablo Carrizo noch zweimal aus Schmauchspurdistanz retten. Carrizo war der Lieblingstorwart Maradonas. Als Maradonas »Albiceleste« während der WM-Quali für Südafrika in La Paz gegen Bolivien in Bestbesetzung mit 1:6 unter die Räder kam, war Carrizo, der keinen einzigen Fehler begangen hatte, Maradonas Bauernopfer. Maradona hatte Dutzende Fehler begangen. Carrizo, der ein fußballerisches Ziehkind von Argentiniens Torwartidol Ubaldo Matildo Fillol ist, spielte nie wieder für Argentinien.

In Mailand verwandelte die Juve alle Penalties, bei Inter knallte der in der zweiten Halbzeit eingewechselte Vizeweltmeister Rodrigo Palacio seinen Strafstoß wembley-mäßig unter die Latte. Soll nicht drin gewesen sein. Gerecht schreibt sich anders, aber schreiben können heutzutage täglich weniger.

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