Aus: Ausgabe vom 04.03.2016, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Müder Abklatsch

Fuller House, Staffel 1 | Netflix

Zwei Männer, die zu ihrem Freund ziehen und ihm bei der Erziehung seiner drei Töchter helfen. Die Sitcom »Full House« war schon in den 1980ern nur mittellustig und hat weniger durch Pointen geglänzt als vielmehr durch leidliche Running Gags. Wenigstens entsprach der Aufbau dem Zeitgeist – mit eingespielten Lachern, damit auch jeder merkt, wann es lustig sein sollte. Demgegenüber wirkt die Fortsetzung »Fuller House« aus der Zeit gefallen. Die älteste Tochter des Hauses ist verwitwet. Um ihr bei der Erziehung der drei Söhne zu helfen, ziehen ihre Schwester und ihre beste Freundin, mit Tochter, zu ihr. Das ist ein müder Abklatsch, bei dem nicht mal mit Rollenklischees gespielt werden kann. Dass Frauen einander bei der Kindererziehung helfen, wenn Männer abwesend sind, ist wenig spektakulär. Das ist zwar nicht unwitziger als das Original, aber unsere Sehgewohnheiten haben sich verändert. Aufwendig produzierte Serien, die Geschichten auf verschiedenen Ebenen erzählen, sind Normalität geworden. Bei denen braucht man keine eingespielten Lacher. (cwr)

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