Aus: Ausgabe vom 04.03.2016, Seite 5 / Inland

Ausfuhren verfünffachen

Deutsche Wirtschaft hofft auf gute Geschäfte im Iran

Von Simon Zeise
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Bisher baut Siemens Gas- und Windkraftwerke in Ägypten. Künftig will das deutsche Unternehmen auch Teheran beliefern (Werk in Berlin, 4. Juni 2015)

Im Januar hatten die USA und die Europäische Union beschlossen, die Sanktionen gegen den Iran aufzuheben. Auch die deutsche Wirtschaft, die vor dem Inkrafttreten der Blockade traditionell gute Handelsbeziehungen zu Teheran pflegte, erhofft sich gute Geschäfte. Auf dem deutsch-iranischen Wirtschaftsforum des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK) diskutierten der iranische Energieminister Hamid Chitchian, Siemens-Vorstand Siegfried Russwurm und der Außenwirtschaftschef der DIHK, Volker Treier, am Donnerstag in Berlin.

Siemens-Manager Rosswurm sagte gegenüber dpa, er »hoffe sehr, dass Iran auch bald wieder am internationalen Bankensystem teilnehmen kann«. Dies sei eine wichtige Bedingung zur Abwicklung des Handels. Energieminister Chitchian verwies auf den Entwicklungsplan seines Landes, der jährliche Wachtsumsraten von acht Prozent vorsieht. Er warb für eine Ansiedlung deutscher Finanzinstitute im Iran. Auch die Absicherung von Exportgeschäften deutscher Firmen durch staatliche Exportkreditversicherungen (»Hermes-Bürgschaften«) wäre ein erster Schritt. Der Bundesverband deutscher Banken hatte jedoch im Januar erklärt, die meisten Institute würden Beziehungen in den Iran erst aufnehmen, wenn klar sei, welche Geschäfte genau wieder erlaubt seien.

Der Iran besitzt die viertgrößten Erdölreserven und die zweitgrößten Gasressourcen weltweit. Allein im Ölgeschäft will Teheran Aufträge in Höhe von 170 Milliarden Euro vergeben. Durch die iranischen Rohstoffvorkommen könnte sich der Wert der deutschen Ausfuhren in den Iran innerhalb weniger Jahre auf zehn Milliarden Euro verfünffachen: »In Deutschland können dadurch rund 80.000 neue Arbeitsplätze entstehen«, sagte DIHK-Vertreter Treier. »Der Iran war in den 1970er Jahren der zweitwichtigste Handelspartner für die deutsche Wirtschaft außerhalb Europas.« Mit der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen und dem Wahlsieg der »Reformer« bei den Parlamentswahlen Ende Februar sei der Kurs der wirtschaftlichen Öffnung von Staatschef Hassan Rohani gestärkt. »Für die deutsche Wirtschaft besteht die Chance auf Aufträge in Milliardenhöhe.« Es gebe aber eine große Angst bei deutschen und europäischen Banken, bei Iran-Geschäften Strafen in den USA zu riskieren.

Siehe Kommentar Seite 8

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