Aus: Ausgabe vom 04.03.2016, Seite 1 / Ausland

Obamas einfache Botschaften

UN-Sicherheitsrat verschärft Sanktionen gegen Nordkorea. Pjöngjang feuert Raketen ab

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Drohung mit schwerem Gerät: Kampfjet des Typs F-22 »Raptor« auf der US-Lauftwaffenbasis Osan im südkoreanischen Pyeongtaek am 17. Februar

Nur wenige Stunden nach der drastischen Verschärfung der UN-Sanktionen gegen Nordkorea hat das Land nach Angaben Südkoreas sechs Kurzstreckenraketen abgefeuert.

Südkorea erklärte, die Raketen seien etwa 100 bis 150 Kilometer vor der nordkoreanischen Küste ins Japanische Meer gestürzt. Später sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, die genaue Art der Flugkörper werde noch geprüft. Er fügte hinzu: »Die südkoreanische Armee beobachtet jegliche weiteren Schritte des Nordens.«

Nordkorea hatte am 6. Januar seinen vierten Atomwaffentest seit 2006 und einen Monat später den Start einer ballistischen Rakete bekanntgegeben. Beides verstieß gegen UN-Resolutionen. Darauf reagierte der UN-Sicherheitsrat am Mittwoch mit neuen Strafmaßnahmen. Mit den Stimmen Chinas und Russlands beschloss er einstimmig, unter anderem die Exportbeschränkungen für das Land drastisch zu verschärfen. Weder Kohle noch Eisen, Eisenerz, Gold, Titan oder seltene Erden dürfen dem Land noch abgekauft werden. Zudem wird die Lieferung von Treibstoff für Flugzeuge oder für Raketen an Nordkorea untersagt.

US-Präsident Barack Obama lobte die neue Resolution als »entschlossene, gemeinsame und angemessene« Antwort. Die Staatengemeinschaft habe Nordkoreas Regierungschef Kim Jong Un »mit einer Stimme« eine »einfache Botschaft« übermittelt: Das Land müsse »seine gefährlichen Programme aufgeben und einen besseren Weg für seine Bevölkerung wählen«.

Dass sein Land in den vergangenen Wochen seinerseits zur Aufrüstung auf der koreanischen Halbinsel beigetragen hatte, erwähnte Obama nicht. Erst am 13. Februar hatten die USA weitere »Patriot«-Flugabwehrraketen in Südkorea stationiert. Am 17. Februar waren vier Kampfjets des Typs F-22 »Raptor« vom US-Stützpunkt auf Okinawa in Japan aus nach Südkorea geflogen. Dies war von Beobachtern ebenfalls als Drohsignal an Pjöngjang gewertet worden. Die nordkoreanische Regierung wirft den USA und Südkorea seit langem vor, eine Aggression gegen ihr Land vorzubereiten. (AFP/jW)

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