Aus: Ausgabe vom 03.03.2016, Seite 16 / Sport

Der ewige »Nori«

Noriaki Kasai, der älteste Skispringer der Welt, stellt morgen einen weiteren Rekord auf

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50. Geburtstag, ich komme: Noriaki Kasai, hier beim Landeanflug auf Sapporo, blättert nach dem Training gern im »Guiness-Buch der Rekorde«

Morgen sprengt der japanische Skispringer Noriaki Kasai die 500er-Marke. Mit mittlerweile 44 Jahren ist er der älteste Springer der Geschichte. In Wisla wird er seinen 500. Weltcupstart absolvieren – auch das ist historisch einzigartig. Ende Januar war er zum ersten mal Vater und keine Woche nach der Geburt von Töchterchen Rino in Vikersund dritter geworden.

»Es sind unglaubliche Zeiten. Erst werde ich Vater, dann schon wieder dritter«, meinte Kasai, »es fühlt sich derzeit grandios an.« Und grandios ist noch grandios untertrieben: Die Laufbahn dieses Flugsauriers hat mittlerweile irrwitzige Dimensionen angenommen. Im Vergleich zum »Adler aus Shimokawa« verblassen selbst die Karrieren anderer »ewiger« Wintersportler.

Die unverwüstliche Biathlon-Institution Ole Einar Bjørndalen (41) liegt ebenso bei unter 400 Weltcupstarts wie der frühere Alpin-Dauerbrenner Marc Girardelli, der 1999 nach 17 Jahren zurücktrat. Auch eine Claudia Pechstein (44) kann nicht mit Kasai mithalten, der seit 27 Jahren im Weltcup springt und kaum ein Zeichen von Abnutzung zeigt. »Normalerweise sitzt man in dem Alter daheim auf der Couch und schaut sich das im Fernsehen an«, sagt Weltmeister Severin Freund.

Als 16jähriger hatte Kasai Ende 1988 in Sapporo im Weltcup debütiert, mit 19 war er 1992 in Lahti erstmals auf das Podest gesprungen. Seitdem kamen und gingen Skispringergenerationen, Kasai blieb und gehörte fast ununterbrochen zur Weltspitze. »Ich habe es schon als Kind gehasst zu verlieren, egal wo, egal wann. Das ist wahrscheinlich das Erfolgsgeheimnis meiner Karriere«, sagt er.

Mittlerweile gibt es kaum einen Alters- oder Ausdauerrekord, den der einstmals notorische Junggeselle nicht hält. Beim Heimspiel in Sapporo ehrte ihn das »Guinness-Buch« unlängst für die meisten Weltcupstarts und die meisten Teilnahmen an Nordischen Skiweltmeisterschaften (seit 1989 zwölf). Niemand startete öfter bei Olympischen Winterspielen als Kasai (siebenmal), kein älterer Skispringer holte eine Olympiamedaille (Silber und Bronze 2014). Im Weltcup ist er der älteste Sieger (mit 42 Jahren gewann er im November 2014 in Kuusamo), ältester Podestspringer (43 Jahre, 251 Tage/12. Januar 2016 in Vikersund) und ältester Starter der Geschichte.

Bis auf sein stetes Lächeln zeigt Kasai kaum eine Gefühlsregung. Seine Mutter kam 1997 bei einem Hausbrand ums Leben, seine jüngere Schwester starb vor wenigen Wochen nach langer Krankheit. »Wenn ich daran denke, was meine Familie schon mitgemacht hat, ist das harte Training nichts dagegen«, sagte Kasai einmal. Und deshalb verschwendet er auch drei Monate vor seinem 44. Geburtstag keinen Gedanken an ein baldiges Karriereende. »Als ich 40 wurde, hatte ich beschlossen, mit 50 aufzuhören«, sagt er. Das wäre nach seinen neunten Winterspielen, 2022 in Peking. Nun aber bemüht sich seine japanische Heimat mit Sapporo wohl um Olympia 2026. »Dann werde ich zwar fast 54 Jahre alt sein, aber es ist eine zu große Chance, um aufzugeben.« Ein völlig irrsinniges Ziel. Aber wenn es einer schaffen kann, dann der ewige »Nori«. (jW-Bericht)

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