Aus: Ausgabe vom 03.03.2016, Seite 15 / Medien

Wahre Macht ist zählbar

Neue Medien nähren ihre mächtigen Bosse: Laut Forbes-Milliardärsliste ist Facebook-Chef Zuckerberg größter Gewinner unter den Superreichen

Von Dieter Schubert
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Ein gefährlicher reicher Mann: Amazon-Gründer Jeff Bezos vor einer Trägerrakete seines Raumfahrtunternehmens Blue Origin 2015

Die neuen Medienmogule kommen aus dem Silicon Valley. Und sie sind dabei, die Spitzenpositionen in der Liste der Superreichen zu erobern. Bestes Beispiel ist der umtriebige Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Obwohl immer wieder Zweifel über seine Rolle bei der Gründung des Klatsch-und-Tratsch-Netzwerkes für Kinder und Erwachsene laut werden, wird der 31jährige als immer wohlhabender taxiert. In dem am Dienstag veröffentlichten Milliardärs-Ranking des US-Magazins Forbes ist er der größte Gewinner.

Nach Schätzung der Zeitschrift – die ebenfalls Teil eines Medienimperiums, allerdings eines »alten«, ist – soll Zuckerbergs Vermögen im Vergleich zum Vorjahr um 11,2 auf nun 44,6 Milliarden US-Dollar (41 Milliarden Euro) gestiegen sein. Damit kletterte er in der wohl peinlichsten Bestenliste der Welt um zehn Plätze nach oben.

Auch Amazon-Chef Jeff Bezos kann nicht mehr als simpler Warendealer passieren. Seit er sich die Washington Post zugelegt hat und mit seinen Erfindungen »Kindle« und »Fire TV« aktiv sowohl die Buch- als auch die Film- und TV-Branche aufmischt, kann er als Exponent der neuen Medienherrlichkeit gelten. Der 52jährige will ebenso wie Zuckerberg nicht nur Geld verdienen, sondern auch die Verbraucher in seinem Sinne missionieren. Das kennzeichnet die neue Qualität der modernen globalen Oligarchen am deutlichsten. Die Kontrolle über Portemonnaie und Hirn des Kunden ist das Ziel. Und jeder Mensch ist potentieller Kunde.

Nebenbei lässt Bezos neue Technologien testen, versucht sich als Drohnen- und Weltraumpionier. Er gilt auch als Gewerkschaftsfresser. Das kann besonders nach den zahlreichen Streiks bei Amazon Deutschland getrost unterstellt werden. Die Akkumulation seines privaten Vermögens lässt sich dennoch sehen: Es nahm Forbes zufolge um 10,4 auf 45,2 Milliarden Dollar zu. In der Liste hat sich der Mann von Rang 15 auf Platz fünf katapultiert, was Bezos wohl eher als Nebeneffekt einordnen dürfte.

Gut plaziert im Ranking sind auch die »Google-Brothers« Larry Page und Sergey Brin. Die Gründer, Hauptaktionäre und Lenker des sich als globale Entität verstehenden Megakonzerns Alphabet (wie sich Google seit einiger Zeit nennt) verfügen mit ihrer Suchmaschine nicht nur über eines der mächtigsten Medieninstrumente der Welt. Sie sind wie ihre Brüder im Geiste, Zuckerberg und Bezos, offenbar ebenso bemüht, eine neue, imperialistische Aufteilung des globalen Marktes zu ihren Gunsten zu erzwingen. Über die notwendigen materiellen und finanziellen Möglichkeiten verfügen sie inzwischen. Brin und Page werden bei Forbes auf jeweils um die 30 Milliarden Dollar taxiert. Ihre tatsächlichen Möglichkeiten, die Welt zu formen, lassen sich eher nicht beziffern.

Im Gegensatz zu Zuckerberg und Co. wirkt die erneute Nummer eins unter den größten Raffern wie ein alter Vertrauter: William (»Bill«) Gates III. verfügt laut Forbes über Werte von 75 Milliarden Dollar. Damit schrumpfte den Schätzungen bzw. der Raterei des Magazins zufolge der Reichtum des Microsoft-Gründers um 4,2 Milliarden Dollar. »Peanuts«, würde ein inzwischen fast vergessener deutscher Banker dazu sagen. Auch Gates will die Welt weiter umgestalten. Über seine milliardenschweren Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung besitzt er erheblichen Einfluss auf diverse soziale Großprojekte. Ihm wird von Kritikern nachgesagt, dass er zudem weiterhin versucht, die Kontrolle über die globale Nahrungsversorgung zu erlangen. Auch in den neuen Medien mischt Gates mit. Microsoft bemüht sich eifrig, die Quasimonopolstellung seines PC-Betriebssystems »Windows« zu erhalten – demnächst auch über Leasingmodelle. Den Plan, mit Hilfe der von Nokia abgekauften Smartphonesparte eine breite Angebotspalette an IT-Dienstleistungen zu kreieren, verfolgt das Unternehmen hartnäckig.

Über die zwischen Gates und Bezos plazierten Superreichen gibt es wenig Interessantes zu sagen. Sie sind Teil der alten, bekannten Welt: Der spanische Oligarch Amancio Ortega (79) betreibt die Modekette »Zara«. Die erhöhte sein Vermögen laut Forbes um 2,5 auf 67 Milliarden Dollar. 60,8 Milliarden werden der Spekulanten- und Anlegerlegende Warren Buffett zugerechnet. Und der mexikanische Telefonkönig Carlos Slim Helú rangiert in der Liste mit 50 Milliarden Dollar Vermögen auf Platz vier. Gegen die obengenannten Medienüberflieger wirken die drei dennoch eher wie lahme Enten.

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