Aus: Ausgabe vom 03.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Dauerbesatzungschef des Tages: John Nicholson

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Kurz nach Kriegsbeginn 2001 hieß das Morden der westlichen Wertegemeinschaft in Afghanistan noch »Landesverteidigung am Hindukusch«, später wurde es »NATO-Ausbildungsmission«. Beides führte auch deutsche staatliche Killerkommandos dorthin, samt einem Oberst, der 2009 unter falschen Angaben etwa 140 Einheimische von US-Bombern ins Jenseits befördern ließ und 2013 zum Brigadegeneral befördert wurde. Seit Mittwoch gibt es einen neuen Besatzerchef: US-General John Nicholson. Er übernahm in Kabul die Oberhoheit über 13.000 NATO-Söldner von seinem Vorgänger John Campbell. Faz.net meldete dazu: »Der 58 Jahre alte Nicholson bringt viel Erfahrung mit. Er war zwischen 2006 und 2012 bereits dreimal in Afghanistan stationiert.« Der Mann verkörpert die geniale westliche Strategie beim Staatenzertrümmern: Er kommandierte damals Truppen im Süden und Osten des Landes – »wo heute die Terrormiliz ›Islamischer Staat‹ Fuß zu fassen versucht« (Faz.net).

Wer seinen Auftrag so umsichtig erfüllt, der darf große Pläne schmieden. So sagte Nicholson bei der Anhörung zu seinem Amtsantritt im US-Senat, er sehe eine dauerhafte Militärpräsenz in Afghanistan voraus, »ähnlich wie in Südkorea oder Deutschland, wo es große Militärcamps für 60 oder 70 Jahre« gegeben habe. Befreiung durch Besatzung über mehrere Generationen – ein Patentrezept. Nicholsons Vorgänger Campbell meinte bei der Übergabe ebenfalls, es bleibe »noch viel zu tun«. Unter Campbells Führung erreichte die Zahl der getöteten oder verletzten Zivilisten 2015 im »in Teilen sicheren Herkunftsland« (Thomas de Maizière) schon mal einen neuen Höchststand. Einem UN-Bericht zufolge gab es mehr als 11.000 zivile Opfer, darunter 3.545 Tote. Im afghanischen Dschalalabad wurden am Mittwoch acht Menschen bei einem Überfall auf das indische Konsulat getötet. Vom Staatsterrorismus des Westens und dessen Opfern war an diesem Tag nichts zu hören. (asc)

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