Aus: Ausgabe vom 02.03.2016, Seite 8 / Ansichten

Ernährungsberater des Tages: CDU Schleswig-Holstein

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Du bist, was du isst. Es ist Bevormundung, wenn jemand vorschreiben will, was in Kantinen auf den Tisch kommt. 2013 wurde unter anderem die CDU nicht müde, das zu betonen, als die Grünen einen »Veggie-Day«, also einen fleischfreien Tag, forderten. Diese Art der Gängelei ist der Union aber gerade recht, wenn es darum geht, hehre Werte zu verteidigen und das Abendland vor dem Untergang zu retten. Die CDU in Schleswig-Holstein möchte Kantinen verpflichten, weiterhin Schweinefleischgerichte im Angebot zu haben. » Wir setzen auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Dazu gehört in unserer Kultur auch der Verzehr von Schweinefleisch«, sagte CDU-Fraktionschef Daniel Günther. Mit dem Mettigel gegen die Islamisierung. Wer weiß schon genau, wieviele Grillhaxen man essen muss, um wieder ein anständiger Deutscher zu werden, wenn man mit solchen Leuten Kontakt hatte?

Zur Begründung für ihren Vorstoß gibt die CDU an, dass besonders Kitas und Schulen Schweinefleisch aus dem Angebot nehmen, da einige Kinder dies aus religiösen Gründen nicht essen. Was kümmert die zornigen weißen Männer in der Parteizentrale schon der pädagogische Aspekt der gemeinsamen Nahrungsaufnahme, von der etliche Kinder sowieso schon ausgeschlossen sind, weil sich viele Familien die Schulspeisung schlicht nicht leisten können.

Aus der Schweinehaltung stammen mit 350 Millionen Euro etwa 17 Prozent der Verkaufserlöse der schleswig-holsteinischen Landwirtschaft. Es könnten also finanzielle Gründe hinter dem Vorstoß stecken. Aber das Bundesland verfügt im Dithmarschen über das größte zusammenhängende Kohlanbaugebiet Europas. Damit könnte die Wirtschaft angekurbelt werden, ohne mit antimuslimischem Rassismus auf Stimmenfang am rechten Rand zu gehen. Und für den ordentlichen Deutschen gibt es Kohlrouladen. (cwr)

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