Aus: Ausgabe vom 02.03.2016, Seite 5 / Inland

Runter von der Straße

BUND und »Allianz pro Schiene« fordern Umsteuerung des Güterverkehrs

Von Claudia Wrobel
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Güter auf der Schiene zu transportieren und so von der Straße zu holen – das wäre eine gelungene Strategie, die CO2-Emissionen im Verkehrsbereich zu senken. Davon sind sowohl der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als auch der Verein »Allianz pro Schiene« überzeugt. Am Dienstag forderten sie in Berlin von der Bundesregierung entsprechende Maßnahmen. Denn für die beiden Initiativen ist die Zunahme des Lkw-Verkehrs einer der Hauptgründe, warum verkehrsbedingt mehr klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden. Gerade im Nachgang des Klimagipfels von Paris, bei dem sich die Staatenvertreter darauf geeinigt hatten, die globale Klimaerwärmung unter zwei Grad, möglichst sogar unter 1,5 Grad Celsius zu halten, sei eine Umsteuerung der Güter notwendig.

»25 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen werden im Verkehrssektor verursacht, in Deutschland sind es ebenfalls etwa ein Viertel. Private Haushalte, Teile der Industrie und des Energiesektors senken ihre klimaschädlichen Emissionen, nicht aber der Verkehrsbereich«, bemängelte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, beklagte die lähmende Widersprüchlichkeit in der deutschen Verkehrspolitik: »Der Marktanteil der klimaschonenden Güterbahn in Deutschland liegt bei mageren 17 Prozent. Damit hat die Bundesregierung ihr eigenes Nachhaltigkeitsziel, bis 2015 ein Viertel der Güterverkehrsleistung auf der Bahn abzuwickeln, gerade schmerzhaft verfehlt.«

Trotz dieser Beteuerungen von seiten der Politik schrumpft der Güterverkehr auf der Schiene. Wie das Statistische Bundesamt festgehalten hat, sind im Jahr 2014 noch 365 Millionen Tonnen so transportiert worden. Im vergangenen Jahr waren es 361,2 Millionen Tonnen. Die auf dem deutschen Schienennetz transportierte Menge sank damit das zweite Jahr in Folge.

Auf der Straße hingegen werden immer mehr Güter bewegt. 2014 wurden 3.506,5 Millionen Tonnen in Lkw transportiert, im vergangenen Jahr waren es 3.571,5, was einen Zuwachs von 1,9 Prozent bedeutet. Auch im »Aktionsplan Güterverkehr und Logistik«, den das Bundesverkehrsministerium bereits 2010 vorgelegt hat, spielen Feldversuche mit sogenannten Lang-Lkw eine herausragende Rolle. Eine Verordnung zu »Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge« ist 2012 in Kraft getreten. Eine überarbeitete Richtlinie zum sogenannten kombinierten Verkehr, also Schienen- oder Schiffstransport und Straßentransport wurde ebenfalls 2012 wirksam. Um die »Verlagerungspotentiale« auf Schiene und Wasserstraße voll auszuschöpfen, werde nach Angaben des Verkehrsministeriums allerdings noch an einem Konzept gearbeitet.

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