Aus: Ausgabe vom 02.03.2016, Seite 2 / Ausland

Assad hält an Waffenruhe fest

Syrischer Präsident spricht sich in Interview für Einhaltung der Feuerpause aus

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Der syrische Präsident Baschar Al-Assad hat die seit Samstag geltende Waffenruhe als Hoffnungsschimmer für sein Land bezeichnet. »Wir werden das Unsrige tun, damit das Ganze funktioniert«, sagte Assad in einem ARD-Interview laut einer am Dienstag vorab verbreiteten Fassung. Zugleich warf er seinen Gegnern vor, die Feuerpause zu verletzen. Dennoch hätten seine Streitkräfte darauf nicht reagiert, um der Vereinbarung eine Chance zu geben.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderten die Konfliktparteien zur Einhaltung der Vereinbarung und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Lawrow sprach sich zudem für die Schließung der syrisch-türkischen Grenze aus. Über die Grenze würden »Terroristen« mit Nachschub versorgt, sagte er. Manche Lieferung werde als humanitäre Hilfe getarnt.

US-Außenminister John Kerry sagte am Montag (Ortszeit) in Washington, es gebe keine Hinweise darauf, dass die festgestellten Verstöße gegen die Feuerpause den labilen Frieden gefährdeten. Die auf eine Initiative von Russland und den USA hin vereinbarte Waffenruhe ist seit Samstag in Kraft. Sie gilt nicht für die Milizen des »Islamischen Staats« und den Al-Qaida-Ableger Al-Nusra-Front.

Assad bezeichnete die Lage der Bevölkerung in seinem Land als »humanitäres Desaster«. Er bestritt jedoch, dass seine Truppen Gebiete von der Versorgung abschnitten. Die syrische Armee und Städte unter ihrer Kontrolle würden aus diesen Regionen heraus bekämpft und bombardiert. »Wie sollten wir diese Gebiete von der Nahrungsmittelzufuhr abschließen, wenn wir sie doch nicht an der Beschaffung von Waffen hindern können?« sagte Assad.

Am Montag waren erstmals seit dem Beginn der Waffenruhe in ­Syrien Hilfslieferungen in einer belagerten Stadt eingetroffen. In den nächsten Tagen wollen die Vereinten Nationen mehr als 150.000 Menschen in eingeschlossenen Gebieten helfen.

An Deutschland gewandt betonte Assad, es sei »gut, wenn Flüchtlinge aufgenommen werden, die ihr Land in Not verlassen« hätten. Zugleich stellt er die Frage, ob es nicht klüger und auch »weniger kostspielig« sei, Syrern zu helfen, in ihrem eigenen Land leben zu können. Dafür müsste sich der Westen entschließen, gegen den Terror zu kämpfen, und nicht gegen sein Land, sagte Assad.

(dpa/Reuters/jW)

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