Aus: Ausgabe vom 01.03.2016, Seite 6 / Ausland

Mit »Nordsturm« zur Vormacht

Saudi-Arabien hält mit Verbündeten riesiges Manöver mit 150.000 Soldaten ab

Von Flo Osrainik, Jasmin Werner
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Zusammengezogen: Saudi-Arabien hat sein Kriegsgerät bereits Mitte Februar in die Nähe der irakischen Grenze verlegt (Hafr Al-Batin, 16.2.2016)

Die wahhabitische Monarchie Saudi-Arabien baut auch auf militärischer Ebene ihre Vormachtstellung im Mittleren Osten aus. Im Nordosten des Landes hat unter Leitung der saudischen Armee am Samstag die Militärübung »Raad Al-Schamal« (»Nordsturm«) begonnen, sie soll bis 10. März dauern. An den Manövern nehmen Truppen aus 20 Staaten teil, unter anderem Soldaten aus Ägypten, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Wie die saudische Nachrichtenagentur SPA am Samstag berichtete, handelt es sich um die größte Militärübung in der Region, was die Zahl der teilnehmenden Kräfte und die Größe des Operationsgebiets betrifft. So sind fast 150.000 Soldaten, 2.540 Flugzeuge, 20.000 Panzer und 460 Hubschrauber an dem an eine Generalmobilmachung erinnernden Manöver beteiligt. Trainiert wird laut offizieller Darstellung der Einsatz gegen »Terrorgruppen«.

»Nordsturm« finde nicht nur im Hinblick auf die wachsende Bedrohung durch den »Terrorismus«, sondern auch wegen der »politischen und sicherheitsrelevanten Instabilität in der Region« statt, gibt SPA die Position des Regimes in Riad wieder. Auch der Berater des saudischen Verteidigungsministers, Ahmed Asiri, versuchte Mitte Februar gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Sputnik, die Bedeutung des Manövers herunterzuspielen: »Diese Übungen zielen nicht auf eine konkrete Operation ab«, sagte Asiri. Doch diese Darstellung kann mit gutem Grund bezweifelt werden. Riad ist bemüht, mit allen Mitteln den Einfluss des Iran in der Region zurückzudrängen. Dabei kann das wahhabitische Königshaus auf die Unterstützung der USA bauen.

Saudi-Arabien ist zur Zeit an mehreren Kriegen in der Region beteiligt. So ist Riad ein Teil der von Washington geführten Allianz gegen den »Islamischen Staat« (IS). Gleichzeitig hatte der Golfstaat islamistische Gruppierungen finanziell und logistisch unterstützt. Doch seit der russischen Intervention im vergangenen Herbst hat Riad seine Strategie geändert. Die Golfmonarchie macht keinen Hehl daraus, gemeinsam mit der Türkei in Syrien einmarschieren zu wollen, um die Regierung von Baschar Al-Assad zu stürzen.

Am vergangenen Freitag verlegte das saudische Militär Kampfjets auf den Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei. Von dort starten unter anderem die USA ihre Angriffe auf Syrien, auch die Bundeswehr ist mit »Tornado«-Flugzeugen vor Ort.

Bereits Mitte Februar war eine erste saudische Vorhut in Incirlik angekommen. Riad beteiligt sich am Bombardement gegen den IS. Im Dezember 2015 hat die Monarchie eine eigene, 35 Mitglieder umfassende Allianz zur »Bekämpfung des Terrors« in islamischen Staaten ins Leben gerufen.

Ein anderer Schauplatz saudischer Kriegspolitik ist der Jemen, wo das Königreich seit März 2015 einen völkerrechtswidrigen Krieg führt. Riad steht dabei einem Militärbündnis vor, das gegen die Aufständischen der Ansarollah kämpft und dessen Mitglieder nun auch am Manöver »Nordsturm« teilnehmen.

Ziel der saudischen Militärintervention im Jemen ist es, den aus dem Land vertriebenen Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi wieder an die Macht in Sanaa zu bringen und sich so die Kontrolle über das Land zu sichern. Auch westliche Staaten sind beteiligt. So wird Saudi-Arabien im Jemen von den USA, Großbritannien und Frankreich unterstützt. Vor allem modernste Raketen »Made in USA« sind für den Tod Tausender Zivilisten verantwortlich.

Auch die EU und die sie dominierende Bundesrepublik machen mit Saudi-Arabien gute Geschäfte. Zwar hatte sich das Europaparlament am vergangenen Donnerstag in Strasbourg »wegen des Kriegs im Jemen und der desaströsen humanitären Situation vor Ort« für ein Waffenembargo gegen Riad ausgesprochen. Allerdings ist der Beschluss nicht bindend.

Saudi-Arabien ist nach Indien der weltweit zweitgrößte Waffenimporteur. Auch die bundesdeutsche Rüstungsindustrie verdient daran. Allein im Jahr 2015 genehmigte die Bundesregierung die Ausfuhr von Waffen nach Saudi-Arabien in Höhe von 268 Millionen Euro.

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