Aus: Ausgabe vom 29.02.2016, Seite 16 / Sport

Blutgrätsche

Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Von Klaus Bittermann
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In der Partie gegen Ingolstadt steht Hamburgs Maskottchen »Hermann« auf dem Platz

Mitten in der von Geld und Ölscheichs überfluteten Premier League geschieht ein Fußballwunder: Leicester City marschiert scheinbar unaufhaltsam auf den Titel zu. Gegen Norwich siegte die Mannschaft durch ein Tor in der 95. Minute. Am hartnäckigsten wird sie von Tottenham verfolgt, dem nächsten Gegner des BVB in der Euroleague. Und Tottenham hätte man auch nicht unbedingt auf Platz zwei vermutet, denn seit Jahren rangeln die üblichen Verdächtigen um Platz eins: Arsenal, ManU, ManCity, Liverpool (nicht immer) und der FC Chelsea, der aktuell im Mittelfeld herumdümpelt – trotz Abramowitsch und der Millionen, die er in sein Spielzeug investiert.

Das Phänomen Leicester kann niemand erklären, denn alle Zeichen deuteten auf einen Abstieg hin. Der Trainer, der den Kader zusammengestellt und u. a. den von Schalke aus Altersgründen aussortierten Christian Fuchs verpflichtet hatte, wurde entlassen. Es kam Claudio Ranieri, der als Trainer der griechischen Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gerade 0:1 gegen die Färöer Inseln verloren hatte und auch sonst schon verdächtig häufig gefeuert wurde.

Die Mannschaft besteht fast nur aus Fußball-Legionären, die sich auf dem absteigenden Ast befanden, wie etwa dem deutschen Robert Huth, und die Tore schießt ein gewisser Jamie Vardy, der vor nicht allzu langer Zeit noch siebtklassig war und erst seit 2012 mit Leicester um den Abstieg spielte. Auf die Ernährung, der in der englischen Liga große Bedeutung beigemessen wird, achtet hier niemand, und das einzige Konzept Ranieris besteht darin, den Spielern zu sagen, dass sie vor einer großen Chance stehen, die nie wiederkommen wird.

Ein bisschen ist das wie beim sensationellen EM-Sieg Dänemarks 1992, als die Mannschaft zunächst gar nicht qualifiziert war und dann nur teilnehmen konnte, weil in Jugoslawien gerade Bürgerkrieg herrschte. Oder wie die letzte Meisterschaft Kaiserslauterns 1998, als gleich nach dem Aufstieg in die 1. Liga der Titel geholt wurde. Ein bisschen wäre das so, als wenn Ingolstadt oder Darmstadt auf die Schale zusteuern würde. Lustig wäre es, aber schön bestimmt nicht, denn nach dem 1:1 der Ingolstädter in Hamburg beschrieb Josip Drmic den Gegner als einen »Horror für die Bundesliga«. Was die spielen würden, sei »gar kein Fußball. Mir tat jeder leid, der das sehen musste«. Der Gegner sei nur darauf aus, den Spielfluss zu zerstören, Fouls zu begehen und beim Schiedsrichter zu reklamieren.

Dass diese Beschwerde ausgerechnet vom HSV kommt, dem selbst der Ruf einer Kloppertruppe vorauseilt, ist die Ironie der Geschichte. Und auch Darmstadt krallt sich mit allen Mitteln in der ersten Liga fest und schaffte bei Werder ein 2:2, das sich für sie allerdings anfühlte wie eine Niederlage, weil Claudio Pizarro erst in der 89. Minute den Ausgleich erzielte. Werder rutscht immer tiefer in den Abstiegsstrudel. Hoffenheim und Hannover kommen immer näher. So siegte »96« in einem spannenden Spiel mit vielen verpassten Gelegenheiten 2:1 in Stuttgart, das zuletzt von Sieg zu Sieg eilte. Hertha gewinnt zur Abwechslung mal wieder, diesmal 1:0 in Köln. Allerdings mit Hilfe des Schiedsrichters, der ein Handspiel von Per Skjelbred übersah und damit den schwachen Kölnern die Chance verwehrte, den Ausgleich zu erzielen. Und Mario Götze gewöhnt sich langsam an ein Leben auf der Bank.

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