Aus: Ausgabe vom 29.02.2016, Seite 8 / Ansichten

Solidaritätsadresse des Tages: Bauern Frankreichs

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Armer François Hollande. Da wollte der französische Präsident nur die Landwirtschaftsmesse Salon de l’Agriculture besuchen, und dann das: Bauern buhten ihn aus und beleidigten ihn. »Tritt zurück«, war noch die vornehmste Aufforderung, ferner sei er ein »Nichtsnutz«, »Mistkerl« und »Vollidiot«, riefen wütende Landwirte dem Staatschef bei der Messe im Süden der französischen Hauptstadt am Samstag zu, berichtete AFP. Dutzende Demonstranten des Bauernverbandes FNSEA rissen zudem einen Stand des Landwirtschaftsministeriums nieder. Zwei Bauern wurden nach Angaben des Verbandes festgenommen.

»Warum lassen die wild gewordenen Landeier mich nicht in Frieden?« wird sich François gedacht haben. Nun ja, im vergangenen Jahr gab es vielleicht eine kleine Serie schlechter Nachrichten im Bereich der Landwirtschaft. Die Preise für Milch, Rind- und Schweinefleisch verfielen. Wegen der dusseligen Sanktionsbeschlüsse gegen Russland brachen Exporteinnahmen weg, auch die Nachfrage aus China war futsch. Mittlerweile gäben pro Jahr rund 5.000 Landwirte ihre Tätigkeit auf, hat dann noch der Sprecher der Bauernvereinigung Confédération Paysanne, Laurent Pinatel, erzählt. Die Regierung schätzt, dass sich rund 40.000 landwirtschaftliche Betriebe in einer prekären Lage befinden. Der Anteil der Landwirtschaft und der Nahrungsmittelindustrie an der Wirtschaftsleistung des Landes ist von sechs Prozent im Jahr 1980 auf derzeit 3,5 Prozent zurückgegangen.

Da muss ein Mann wie Hollande reagieren: »Ich habe die Hilferufe gehört«, sagte er in einer der wenigen Pfeifpausen. »Wenn ich heute hier bin, dann um nationale Solidarität zu zeigen«, beruhigte er präsidial. Es werde »alles getan«, um den Landwirten zu helfen. Na dann. Jetzt können alle wieder beruhigt ihre Kühe melken – Hollande wird es schon richten. (sz)

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