Aus: Ausgabe vom 25.02.2016, Seite 15 / Medien

Eine App reicht aus

Versicherungskaufleute verklagen Check24. Richterin bemängelt fehlende Transparenz

Von Dieter Schubert
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Das Internetvergleichsportal check24.de informiert seine Nutzer beim Abschluss einer Versicherung nicht ausreichend darüber, dass es auch als Makler tätig ist und Provisionen kassiert. Das sagte am Mittwoch Richterin Barbara Clementi vom Landgericht München. Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) hatte Check24 Irreführung der Verbraucher vorgeworfen. Kernpunkt des Streits: Die zu den Marktführern unter den Vergleichsportalen gehörende Gruppe stelle sich als verbraucherfreundliches Preisvergleichsportal dar. Doch dem sei nicht so. Der Prozess ist noch nicht beendet.

Verbraucherinformationsportale gibt es im Internet in großer Zahl. Doch nicht selten verbergen sich hinter den Informationsanbietern Unternehmen, die selbst ein Interesse daran haben, bestimmte Angebote zu vermarkten. So anscheinend auch im konkreten Fall.

Bei Check24 handele es sich um ein Vermittlungsportal, das selbst wie ein Makler arbeite und bei Vertragsabschluss Provisionen kassiere, heißt es von den Klägern. Dies sei auf den ersten Blick für die Verbraucher jedoch nicht erkennbar.

Der »Vertriebskanal« Internet hat unbestreitbare Vorteile. Hier sind Geschäfte rund um die Uhr möglich, sie sind weniger personalintensiv als eine adäquate »analoge« Kaufberatung und versprechen auch in anderer Hinsicht Kosten- und Schnelligkeitsvorteile. Es reiche eine »App«, und alle schwierigen Dinge seien einfach lösbar, predigen die »Digitalen«, nicht nur in diesem Fall.

Vor allem bei der Autoversicherung machen die Portale den klassischen Vermittlern zunehmend Konkurrenz. Check24 erhält von den Versicherungen eine Gewinnbeteiligung für jeden abgeschlossenen Vertrag. Aus Sicht der etablierten Makler müsste das Portal die Kunden direkt darauf hinweisen. Besucht man die Seiten, braucht es einige Klicks und eine gezielte Suche, um auf die entsprechenden Verweise zu gelangen.

So sah es auch Richterin Barbara Clementi. Es gehe nicht darum, ob man eine solche Selbstdeklarierung finde, wenn man sie suche. Sie müsse auf den ersten Blick erkennbar sein.

Der Verband vertritt rund 11.000 Versicherungsvertreter und liegt seit Monaten mit der Check-24-Gruppe im Clinch. »Verbraucherschutz darf im Internet nicht aufhören«, zitierte die Nachrichtenagentur dpa am Montag den BVK-Präsidenten Michael Heinz. Für alle Marktteilnehmer müssten dieselben Regeln gelten.

Check24 sicherte Kooperation zu: »Wenn die Richter entscheiden sollten, das wir etwas ändern müssen, werden wir das tun«, hatte Christoph Röttele, Sprecher der Geschäftsführung, vor wenigen Wochen erklärt. Er vertritt kein kleines Unternehmen. Nach eigenen Angaben bietet Check24 Privatkunden Vergleiche in den Bereichen Versicherung, Energie, Finanzen, Telekommunikation, Reisen und Konsumgüter mit kostenloser telefonischer Beratung. Laut Wikipedia-Angaben wurden 2013/2014 damit bereits rund 200 Millionen Euro Umsatz generiert. Rund 700 Mitarbeiter sollen daran beteiligt sein.

Mit der Klage strebt der Verband der Versicherungskaufleute einen Musterprozess an, der auch Auswirkungen auf andere Vergleichsportale haben könnte. (mit Material von dpa und AFP)

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