Lautstarker Metallerprotest am Freitag in Bochum Bild: dapd
ThyssenKrupp: »Fünf vor Zwölf«
Tausende Beschäftigte der ThyssenKrupp-Edelstahlsparte Inoxum haben am Freitag um »fünf vor zwölf« in Bochum für den Erhalt aller Arbeitsplätze und Standorte demonstriert. Die zu Inoxum gehörenden Unternehmen Nirosta und VDM sollen an den finnischen Konkurrenten Outokumpu verkauft werden. Die IG Metall will für diesen Fall eine belastbare Vereinbarung zum Schutz der Beschäftigten durchsetzen. Die Zeit drängt: Bereits am Dienstag soll der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat in einer außerordentlichen Sitzung über die Veräußerung entscheiden.
»Kein Standort und kein Beschäftigter darf unter die Räder kommen, nicht in Bochum, nicht in Krefeld oder in Dillenburg und auch nicht an einem anderen Standort in Deutschland«, erklärte Bertin Eichler, Hauptkassierer der IG Metall, am Freitag auf der Kundgebung in Bochum. Von Outokumpu verlangte er im Falle einer Übernahme ein »belastbares und plausibles industrielles Konzept«. Dazu gehörten präzise Aussagen zu Arbeitsplätzen und Investitionen. Man erwarte von dem finnischen Konzern die Bereitschaft, »diese Bedingungen in belastbaren Tarifverträgen festzuschreiben und die bestehenden Mitbestimmungsstrukturen« anzuerkennen und zu übernehmen, so Eichler. Nordrhein-Westfalens IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard betonte: »Harte Zusagen oder harter Konflikt. Das sind die Alternativen.« Nötig seien eindeutige Zusagen sowohl für die Beschäftigten von Outokumpu als auch für die von ThyssenKrupp. Die IGM befürchtet, daß die Werke in Bochum und Krefeld – und damit Hunderte Arbeitsplätze – bei einer Fusion gefährdet wären.
Die Belegschaftsvertreter von ThyssenKrupp haben umfangreiche Mitspracherechte bei einem Verkauf von Konzernteilen. Demnach muß sich ein Bieter als »Best Owner« qualifizieren und ein Konzept vorlegen, mit dem Bedenken bezüglich der Sicherheit von Jobs und Standorten zerstreut werden. Ohne rechtsverbindliche Zusagen für den Schutz der Mitarbeiter werde die Gewerkschaft einem Verkauf nicht zustimmen, kündigte Burkhard an. Einem ThyssenKrupp-Sprecher zufolge werden Verhandlungen mit den Beschäftigtenvertretern und Outokumpu ergebnisoffen geführt. Am Dienstag will der Aufsichtsrat des Stahlgiganten über die Zukunft entscheiden. Eichler, der für die IG Metall in dem Kontrollgremium sitzt, forderte, der Konzern müsse auch nach einem Verkauf der Mehrheitsanteile mindestens 30 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen behalten. Die IGM werde es nicht zulassen, daß sich ThyssenKrupp »aus der Verantwortung« stiehlt.
Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Inoxum mit mehr als 11000 Beschäftigten – etwa die Hälfte davon in Deutschland – einen Umsatz von 6,7 Milliarden und einen bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 15 Millionen Euro erzielt.