28.01.2012 / Ansichten / Seite 8Inhalt

Bittstellerin des Tages: Angela Merkel

unbenannt
Angela Merkel reist kommende Woche nach China. In der Volksrepublik will die »mächtigste Frau der Welt« (US-Magazin Forbes) um mehr Unterstützung in der Schuldenkrise werben, meldeten am Freitag die Agenturen. So gesehen ist das fernöstliche Riesenreich eine gute Destination für Bittsteller vom alten Kontinent: Ungebrochenes Wirtschaftswachstum und gigantische Devisenreserven laden förmlich dazu ein, das Land als »Investor« für die Zukunft (West-)Europas zu gewinnen. Und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, das die fernöstliche Megafabrik die halbe Milliarden Konsumenten zwischen Brest und Tallinn vorerst noch braucht, um seine Kapazitäten auszulasten.

In der EU und der Euro-Zone ist die Not groß. Griechenland als Staat gescheitert, die endgültige Pleiteerklärung wird von Woche zu Woche verschleppt. Mit Portugals Finanzen sieht es ebenfalls trübe aus, Irland dümpelt in die nächste Rezession, Italiens Reiche rechnen sich weiterhin gegenüber dem Fiskus arm, und in Spaniens Betonwüsten sprießt kein Halm der Hoffnung. Da wäre es doch schön, wenn der große fremde Wohltäter aus Fernost ...

Natürlich wird Peking keinen Finger rühren, wenn seine eigenen Interessen nicht angemessen berücksichtigt werden. Denn wie groß sich Europa aus Brüsseler Sicht auch vorkommen mag, im globalstrategischen Kalkül Chinas ist die EU inzwischen eher in der Rubrik sekundäre Probleme zu finden.

Um dies ein wenig auszugleichen und die eigene Bedeutung aufzupolieren , wird Frau Merkel wohl wieder mit Stichworten wie »Menschenrechte« und »Demokratie« hantieren – natürlich auf China bezogen. Das hat sich als taktisches Mittel bisher immer bewährt – zumindest in der eigenen Wahrnehmung. Und es kaschiert notdürftig die klägliche Position, in der sich Konzerneuropa inzwischen befindet. Gute Reise.

(kf)
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