Barcelona. Was denken sich eigentlich Menschen, die bei Real Madrid als Übungsleiter anheuern? Als Jupp Heynckes mit Real 1998 nach 32 Jahren Dürre die Champions League gewann, mußte er gehen – er hatte vergessen, auch die nationale Meisterschaft einzutüten. Die gewann der Klub zuletzt 2008 unter der Ägide Bernd Schusters. In der Saison 2009/10 machte der Chilene Manuel Pellegrini alles richtig am Steuer der »Merengues«: 31 Saisonsiege, davon 13 auswärts – das hatte Real noch nie geschafft. Mangels Titeln mußte Pellegrini seinen Hut nehmen.
Am Mittwoch abend kickte Real Madrid im Camp Nou des FC Barcelona mal wieder um das sportliche Überleben. Für Chefcoach Mourinho ging es um seinen schlechten Ruf. Viertelfinalrückspiel der Copa del Rey. Das konnte was werden.
Sekunden waren gespielt, als »Pipita« Higuaín, der Neuner der argentinischen Nationalelf, für Real das Tor seines Lebens machen sollte. Barcas Gerard Piqué hatte ihn herzlich eingeladen (auf »Piquénbauers« Kappe war schon der Treffer der Madrilenen bei deren 1:2-Hinspielniederlage gegangen). Aus drei Metern schoß Higuaín Barcas Torrumsteher José Pinto an – das wird doch nichts, Pfeifennäschen!
In Minute 25 haute Mesut Özil (Foto rechts) einen 30-Meter-Knaller unter Barcas Latte, daß der Kalk nur so von der Torlinie spritzte. Sapperlott. »Barca«? Immer cool bleiben.
In der 43. Minute startete Messi an der Mittellinie, schüttelt zwei Verfolger ab, landete per Überschall am Halbmond, paßte durch sechs Merengues-Beinchen zu Pedro, 1:0. Wie es uns gefällt. Doch die Kontemplativität der Katalanen kannte keine Grenzen. In der Nachspielzeit drosch Dani Alves, der Pinscher vom Zuckerhut, das Spielgerät nach einem abgefälschten Freistoß mit rechts in den aber mal ganz langen Winkel. Reals Tormännchen Iker Casillas ist um diese Erfahrung auf gar keinen Fall zu beneiden.
In der ersten Hälfte der zweiten passierte nichts minus vier. Dann paßte Xabi Alonso zu Özil, und der wie ein großer Maestro zu Christiano Ronaldo (Foto links). »CR7« hatte keine Mühe, Pinto zu vernaschen, und Charles Puyol fiel als Retter diesmal aus. Anschluß.
Nur vier Minuten später schoß Piqué den nächsten Bock. Der Ball landete bei dem für Higuaín eingewechselten Benzema. Der narrte erst Puyol, dann den ausgelaugten Piquénbauer, und lochte die Kugel von der Höhe der Elfermarkierung ein. Ausgleich. Ohne den besten Fußballer der Welt, den nach einer halben Stunde verletzt ausgewechselten Andrés Iniesta, gelang es Barca einfach nicht, seine berühmten Triangelpässe durchzuziehen. Reichte dennoch.
Jetzt deutet sich rein und klar das schönste Fußballspiel aller Zeiten an: Während der FC Barcelona in den Semis auf den FC Valencia trifft, lautet die andere Paarung Atlético Bilbao gegen CD Mirandés (der Drittligist eliminierte durch ein Last-Minute-Tor Espanyol Barcelona). Bilbao wird vom Argentinier Marcelo Bielsa trainiert, Vorbild des Barca-Trainers »Pep« Guardiola und dessen vorraussichtlicher Nachfolger.