Kommt sie oder kommt sie nicht? Bei Minusgraden macht das Warten auf die S-Bahn besonders viel Spaß
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Seit einigen Tagen führen der Berliner Senat und die Bahn AG
eine Geisterdiskussion, ob der Normalbetrieb der Berliner S-Bahn
bereits im kommenden Jahr wieder aufgenommen werden kann.
Eisenbahner berichteten jW allerdings, daß davon auszugehen
sei, daß sich die Lage Anfang des kommenden Jahres eher noch
verschlechtern werde. Durch die vom Eisenbahnbundesamt (EBA)
verfügte erneute Halbierung der Austausch- und die
Verkürzung der Wartungsintervalle für die Radsätze
einiger Baureihen sei mittlerweile die Situation entstanden,
daß bereits überarbeitete Züge erneut in die
Werkstatt müßten, obwohl die »Altlasten«
noch gar nicht abgearbeitet seien, hieß es. Trotz der
Belastungen gebe es entgegen anderslautenden Berichten auch noch
keine endgültige Entscheidung über die Reaktivierung der
2006 stillgelegten Betriebswerkstatt in Friedrichsfelde, da die
Zustimmung der Konzernleitung noch ausstehe. Bisher neueingestellte
Werkstattmitarbeiter hätten zudem nur befristete Verträge
bekommen, während der Stellenabbau bei den regulär
Beschäftigten weitergehe, z.B. im Bereich der
Bahnhofsaufsichten.
Die katastrophale Personalsituation bei der S-Bahn betrifft nahezu
alle Bereiche. So mußte am 2. Weihnachtsfeiertag der Verkehr
im Bereich Bernau stark eingeschränkt und ab 23 Uhr sogar
für sieben Stunden eingestellt werden, weil Stellwerke nicht
besetzt werden konnten. Einen ähnlichen Vorfall gab es vor
einigen Wochen im Bereich des Bahnhofs Waidmannslust.
Man darf gespannt sein, wie das EBA das anhaltende Chaos bei der
S-Bahn bewertet. Die vor einigen Wochen erteilte Verlängerung
der Betriebserlaubnis ist auf zwölf Monate befristet. Zudem
muß die S-Bahn eine zusätzliche Sicherheitsbescheinigung
beantragen. Falls diese nicht erteilt wird, wäre die
Betriebserlaubnis hinfällig.
Die Kunden des Nahverkehrsunternehmens müssen sich derweil auf
weitere Beeinträchtigungen einstellen. Der Verkehr auf der
Stadtbahn wird so stark ausgedünnt, daß wieder
Verstärkerzüge von DB Regio eingesetzt werden
müssen, die aber nicht an allen Bahnhöfen halten
können. Auf einigen Strecken werden die Zuglängen
nochmals verkürzt. Laut Informationen der Bahn werden ab
Anfang Januar zunächst nur noch 310 Viertelzüge zur
Verfügung stehen, 70 weniger als Mitte Dezember. Für
einen Normalbetrieb wären 550 Einheiten notwendig.
Politiker aller Parteien forderten am Mittwoch die Bahn auf,
Vorschläge für eine erneute Entschädigung der
Fahrgäste auf den Tisch zu legen. Für die seit mehr als
einem halben Jahr andauernden Verkehrseinschränkungen haben
Dauerkartennutzer bislang einen Freimonat erhalten, andere
Fahrgäste konnten an den Adventssonntagen Einfachfahrscheine
als Tageskarten nutzen.
Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes
Berlin-Brandenburg (VBB) verlangte von der Bahn, ihrer
»Verantwortung nachzukommen und sich etwas einfallen zu
lassen, wie sie den Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit
und die Unannehmlichkeiten, denen die Fahrgäste in den
nächsten drei bis vier Jahren ausgesetzt sind, wiedergutmachen
kann«. Das Unternehmen habe es in den vergangenen zwölf
Monaten »schändlich versäumt, die notwendigen
strukturellen Maßnahmen in Gang zu setzen«. Obwohl es
bereits im Januar zu massiven Störungen durch fehlende
Wartungskapazitäten gekommen sei, wurde die geschlossenen
Werkstatt in Friedrichsfelde bis zum heutigen Tage nicht
reaktiviert, so Franz.