Für Zehntausende endet zum Jahresende die »Aufenthaltserlaubnis auf Probe«. Innenminister müssen entscheiden
Von Mirko Knoche
Für 30 000 Flüchtlinge läuft am 31. Dezember das
Bleiberecht aus. Ihnen war in den letzten Jahren eine
»Aufenthaltserlaubnis auf Probe« erteilt worden. Am
heutigen Mittwoch abend berät die Innenministerkonferenz in
Bremen über eine Fortführung der Regelung. Als Knackpunkt
bei den Beratungen gilt die Frage, ob das Bleiberecht auch für
diejenigen verlängert wird, die zur Zeit keine Arbeit haben
und von Sozialleistungen abhängig sind. Nach Schätzungen
der Länder sind dies etwa 15 000 »geduldete«
Ausländer.
Während die CDU-Innenminister die bestehende Regelung um zwei
Jahre verlängern wollen, streben ihre SPD-Kollegen »eine
Dauerlösung« an, wie Berlins Innensenator Ehrhart
Körting der taz (Montagausgabe) sagte. Dabei sollen
Medienberichten zufolge alle eine Aufenthaltserlaubnis bekommen,
die sich nachweislich um eine Erwerbstätigkeit bemühen.
Wer keine Arbeit habe, solle sich ehrenamtlich engagieren.
Vor drei Jahren hatten die Innenminister das Bleiberecht für
bis dahin nur »geduldete« Flüchtlinge beschlossen.
So sollten Abschiebungen befristet ausgesetzt werden, wenn die
Betroffenen für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen konnten.
Genau diese Einschränkung kritisieren nun Migrantensprecher.
Mehmet Yildiz von der Linksfraktion in der Hamburgischen
Bürgerschaft bemängelte, es sei »geradezu zynisch,
während der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und der
schlechten Arbeitsmarktlage« das Bleiberecht an eine eigene
Erwerbstätigkeit zu knüpfen. Wer seinen Job verloren
habe, werde dann in die sogenannte Duldung zurückfallen, warnt
Yildiz. Dann drohe wieder die Abschiebung. »Die unmenschliche
Praxis der Kettenduldungen« müsse auf der
Innenministerkonferenz durch eine verbesserte Regelung abgewendet
werden, verlangt Hermann Hardt vom Hamburger
Flüchtlingsrat.
Auch die Innenexpertin der Bundestagsfraktion Die Linke, Ulla
Jelpke, wandte sich gegen eine Verlängerung des
»schlechten Kompromisses beim Bleiberecht«. Mit
entsprechenden Vorstößen hielten Innenminister der
Unionsparteien an dem Prinzip fest, »daß, wer
nicht arbeitet, auch nicht bleiben soll«. Dabei hätten
viele Flüchtlinge in strukturschwachen Regionen mit hoher
Arbeitslosigkeit keine Chance. »Sie dürfen ihren Wohnort
nicht wechseln, um die Aussichten ihrer Arbeitssuche zu
verbessern«, betonte Jelpke. Für heute 17 Uhr rufen
Flüchtlingsaktivisten deshalb zu einer Demonstration am Bremer
Hauptbahnhof auf. Sie fordern einen umfassenden und dauerhaften
Abschiebestopp für ausnahmslos alle Migranten.
Welche Auswirkungen die bisherige Regelung hatte und was eine
Neufassung beinhalten müsse, diskutiert die Linksfraktion ab
19.30 Uhr in der Bremischen Bürgerschaft mit dem
Integrationsbeauftragten des Senats, Erhard Heintze, und dem
stellvertretende Geschäftsführer von Pro Asyl, Bernd
Mesovic.