25.11.2009 / Schwerpunkt / Seite 3Inhalt

Geheimdossier aus dem Laptop

Die Chronik der Medienberichte

Von Knut Mellenthin
Seit einigen Monaten ist in vielen Medien von einem internen Dossier der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) die Rede. Es enthalte hochbrisante Informationen über ein schon weit vorangeschrittenes Atomwaffenprogramm Irans, heißt es, die von der IAEA absichtlich zurückgehalten würden. Der Vorwurf, die iranischen Nuklearpläne zu decken, richtet sich in erster Linie gegen den Generaldirektor der IAEA, Mohammed ElBaradei, dessen Amtszeit im Dezember endet. Danach dürften Leute wie ElBaradeis Stellvertreter Olli Heinonen es sehr viel leichter haben, die Interessen westlicher Regierungen und Geheimdienste direkt zu bedienen.

Die israelische Tageszeitung Haaretz berichtete am 19. August, der IAEA lägen »neue Beweise« über iranische Atomwaffen vor, die in einem Geheimbericht gesammelt worden seien. Dem Blatt zufolge würden hochrangige US-amerikanische, französische, britische und deutsche Beamte Druck auf ElBaradei ausüben, um ihn zu veranlassen, die angeblich unterdrückten Informationen in seinen nächsten offiziellen Vierteljahresbericht aufzunehmen. In dem im September vorgelegten Bericht des Generaldirektors fanden sich die gewünschten Behauptungen jedoch nicht. In Interviews machte ElBaradei deutlich, daß die von westlichen Geheimdiensten an seine Behörde herangetragenen Informationen nicht seriös genug seien. Die IAEA erklärte sogar ausdrücklich, sie habe »keine konkreten Beweise«, daß Iran jemals an der Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet habe.

Am 4. Oktober berichtete die New York Times ausführlich über das angebliche Geheimdossier und nannte auch dessen Titel: »Mögliche militärische Dimensionen von Irans Atomprogramm«. Um die Veröffentlichung des Papiers werde ein immer noch unentschiedener Streit zwischen verschiedenen Führungspersonen und Abteilungen der IAEA geführt. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AP am 17. September behauptet, das Dokument liege ihr vor, und hatte Bruchstücke daraus zitiert. Zwei Tage vor dem Artikel der New York Times hatte das von David Albright betriebene Institute for Science and International Security (ISIS) in Washington angebliche Auszüge aus dem Dossier auf seinen Internetseiten veröffentlicht. Das formal regierungsunabhängige Institut ist seit Jahren intensiv damit beschäftigt, die Existenz eines iranischen Atomwaffenprogramms nachzuweisen. Die Auszüge geben ISIS zufolge knapp drei Seiten des über 60 Seiten umfassenden Dokuments wieder. Sie enthalten nicht explizit die Informationen über angebliche iranische Versuche zur Herstellung eines nuklearen Gefechtskopfs, über die erstmals der britische Guardian am 5. November berichtete.

Hauptquelle der in dem Dossier enthaltenen Vorwürfe gegen Iran ist laut ISIS immer noch das sogenannte Laptop. Es soll sich dabei um Informationen handeln, die im Jahr 2005 von der Ehefrau eines für den deutschen Bundesnachrichtendienst arbeitenden iranischen Agenten außer Landes geschmuggelt wurden.
Lesen und lesen lassen (Login erforderlich) Ich will auch!
Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

jW-Regio:

Mehr aus: Schwerpunkt
  • Kriegslügen vorm Weihnachtsfest: Ein Exministerialdirektor des Verteidigungsministeriums verbreitet blühenden Unsinn zum Iran
    Knut Mellenthin

Navigation


Zum Seitenanfang springen

Aktuelle Angebote und Hinweise der jungen Welt

Schwerpunkt

PDF-Download

Von Lesern empfohlen:

Top 20 der letzten...
12 Monate / 48 Stunden

Buchmesse Havanna|

|
11.-21. Februar 2010

Beilage vom 10. Februar|

|

Bewegte Geschichte|

|

Wir sind 1000!|

|

Drei Wochen gratis|

|

Termine

Newsletter

Newsletter Abonnieren


- Mittwoch, 10. Februar 2010, Nr. 34

Werbung

junge Welt Online-Shop
Auslands-Abo


Zum Seitenanfang springen.