Linke-Fraktionschef Gysi kritisiert Nachfolgefrage. fds startet Programmdebatte
Der Vorsitzende der Partei Die Linke, Oskar Lafontaine, hat seine
Krebsoperation gut überstanden. »Der Eingriff verlief
erfolgreich. Ihm geht es den Umständen entsprechend
gut«, teilte ein Sprecher am Samstag in Berlin mit.
Fraktionschef Gregor Gysi rechnet damit, daß Lafontaine schon
in wenigen Wochen auf die politische Bühne zurückkehrt.
»Die Linke kann und wird auf Oskar Lafontaine nicht
verzichten«, sagte er der Bild am Sonntag. »Ich bin
sehr optimistisch, daß er ab Januar wieder in den Ring
steigt.«
Gysi erteilte allen Spekulationen über eine mögliche
Ablösung Lafontaines an der Parteispitze eine Absage. Die
Debatte sei »völlig daneben«, sagte er dem
Tagesspiegel. »Wenn jemand ins Krankenhaus kommt, denkt man
über alles Mögliche nach – aber nicht über
dessen Nachfolge.« Ohne Lafontaine drohe der Partei zum
jetzigen Zeitpunkt ein Bedeutungsverlust, warnte der
Fraktionsvorsitzende. »Wir wissen doch selbst, daß es
einen Generationswechsel geben muß. Aber den lassen wir uns
nicht vorschreiben.« Zuvor müßten er und
Lafontaine erst noch die Vereinigung der Linken hinbekommen,
betonte Gysi. »Das ist unsere historische Aufgabe.« Die
Debatte über einen »Generationenwechsel« war vom
thüringischen Fraktionschef Bodo Ramelow ausgelöst
worden, der dafür viel Kritik einstecken mußte.
Während Linke-Chef Lafontaine sich von der OP erholt, preschen
seine parteiinternen Gegner mit der Forderung nach einer
Programmdebatte vor. Es sei nicht ausreichend, »aus den
Wahlprogrammen für die Bundestagswahl ein paar Teilprogramme
herzuleiten«, zitiert die Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung aus einem Beschlußentwurf der parteirechten
Strömungsgruppe »Forum demokratischer Sozialismus«
(fds). Der Appell soll am kommenden Wochenende auf einem
fds-Bundestreffen verabschiedet werden. Die Partei solle »den
Dialog mit den linken Sozialdemokraten und auch mit den Grünen
führen«, um im Bund 2013 eine Alternative zur
schwarz-gelben Koalition zur Wahl zu stellen.
Für Aufsehen sorgte am Wochenende ein Focus-Bericht, nach dem
Lafontaine vor zwei Jahren über einen Zeitraum von mehreren
Wochen von vier Privatdetektiven bespitzelt worden sein soll.
Über die Auftraggeber sei aber nichts bekannt.
Fraktionssprecher Hendrik Thalheim nannte den Bericht ausgesprochen
zweifelhaft. (AP/jW)