Mehrheitsmeinung in Deutschland – Protestaktion in Berlin am 8. September 2009
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Es ist eine einfache Frage: Sind Sie für die Verlängerung
des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan? Ab heute kann die
Bevölkerung in einer bundesweiten Abstimmung über den
Einsatz am Hindukusch entscheiden. Die Wahl läuft im Rahmen
der Kampagne »Truppen raus aus Afghanistan«, die am
Donnerstag von Laura von Wimmersperg, Moderatorin der Berliner
Friedenskoordination, und Uwe Hiksch, Linksparteipolitiker und
Sprecher der Naturfreunde e.V., in Berlin vorgestellt wurde. An der
Aktion beteiligt sich ein breites Bündnis aus
Friedensinitiativen, Gewerkschaften und politischen Parteien.
Zwischen dem 20. und 28. November können die Einwohner aller
großen Städte Deutschlands in Schulen,
Universitäten, Cafés und an Straßenständen
den Wahlzettel ausfüllen. In Berlin soll es allein 80 Stellen
geben. Eine Liste der bundesweiten Abstimmungsorte findet sich auf
der Internetseite
www.afghanistandemo.de.
Eröffnet wird die Aktion am heutigen Freitag mit einem Vortrag
des US-Deserteurs André Sheperd, der in Berlin über
seine Erlebnisse in Afghanistan berichten wird. Enden soll die
Kampagne am 28. November mit einer Kundgebung und der
Veröffentlichung des Resultates des Votums am Brandenburger
Tor. Mit der Abstimmung zur Mandatsverlängerung soll Druck auf
den Bundestag ausgeübt werden, der voraussichtlich am 3.
Dezember über die weitere deutsche Militärpräsenz am
Hindukusch entscheidet. Bekanntlich lehnen zwei Drittel der
Deutschen den Kriegseinsatz ab, aber 90 Prozent der Parlamentarier
befürworteten ihn.
Die neue Aktion sei »dringend nötig«,
erklärte Laura von Wimmersperg. 2009 sei mit Abstand das
blutigste Jahr des seit 2001 andauernden Afghanistan-Krieges. 445
ausländische Soldaten und über 1500 Zivilisten seien in
diesem Jahr getötet worden. Während der letzten acht
Jahre hätten sich die Lebensverhältnisse der Afghanen
entscheidend verschlechtert. Acht Millionen Menschen würden an
Hunger und Unterernährung leiden, nur 25 Prozent der
Bevölkerung hätten Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Angesichts dieser Tatsachen wollen Kanada, Japan und die
Niederlande ihre Truppen abziehen. Drei Milliarden Euro habe die
BRD bis heute für den Einsatz in Afghanistan ausgegeben, so
Wimmersperg. Mit einem Bruchteil des Geldes hätten
Schulen und Krankenhäuser aufgebaut und die Armut verringert
werden können. Die Afghanen müssen über ihre Zukunft
selber entscheiden, doch solange die militärische Besatzung
weitergehe, sei eine friedliche Entwicklung unmöglich,
verdeutlichte die erfahrene Friedensaktivistin.
Dessenungeachtet setzten Deutschland und die USA ihren Kriegskurs
fort und wollen ihre Truppen weiter aufstocken. Gegen diese Politik
muß es einen »breiten Widerstand« geben,
verlangte Uwe Hiksch. Mit der Abstimmungsaktion soll endlich wieder
die Diskussion in der Bevölkerung angeregt werden. »Die
Leute müssen wachgerüttelt und zum Denken angeregt
werden«, forderte der Berliner Linke-Politiker. Es müsse
ein Bewußtsein geschaffen werden, daß mit dem
Militär kein Frieden kommt. »Es wird ein mühsamer
Weg sein, aber ein nachhaltiger«, so Hiksch.
Peter Strutynski, Sprecher des Kasseler Friedensratschlags, sieht
in der Aktion den Anfang für weitere Kampagnen im kommenden
Jahr. Der Druck auf die »Herrschenden« wird zunehmen.
Auch wenn Abgeordnete von SPD und Grünen weiterhin für
die Mandatsverlängerung stimmen werden, »wird es mehr
Neinsager unter den Oppositionsparteien geben als im letzten
Jahr«, erklärte Strutynski gegenüber junge Welt.
Die Stimmung sei positiv. Viele seien gegen den Krieg, aber die
Menschen müßten noch für den Protest überzeugt
werden. Die Kampagne »Truppen raus aus Afghanistan« sei
hierfür ein erster Schritt.