Der neue deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg
hat seinen ersten Auslandseinsatz dort absolviert, wo nach Ansicht
seines Vor-Vorgängers Deutschlands Verteidigung zu beginnen
habe: am Hindukusch. So klar scheint das allerdings nicht mehr zu
sein. Guttenberg stellte an ein weiteres Engagement der Bundeswehr
in Afghanistan Bedingungen. Die Regierung Karsai müsse ein
klares Zeichen zur Korruptions- und
Kriminalitätsbekämpfung sowie zur guten
Regierungsführung setzen, forderte er. Worte, die den
afghanischen Präsidenten wohl kaum beeindruckt, ihre Wirkung
auf das deutsche Publikum aber nicht verfehlt haben
dürften.
Denn der Herr zu Guttenberg ist der Prototyp eines elitären
Stammtischhelden. Was auch immer er an gedrechselt formulierten
Banalitäten von sich gibt, ist auf unreflektierte Zustimmung
ausgerichtet. Er ließ mitteilen, der korrupten afghanischen
Staatsführung die Rute ins Fenster gestellt zu haben.
»Wir haben die Erwartung, daß geliefert wird«,
mahnte er auf Gutsherrenart höhere politische Abgabeleistungen
an. Das kommt gut an an der Heimatfront. Und auch in der Truppe,
die sich von »der Politik« zunehmend verschaukelt
fühlt. Deren Selbstwertgefühl versuchte der
Verteidigungsminister zu stärken, indem er ihr zugestand, sich
»in einigen Gebieten in Afghanistan im Krieg« zu
befinden. Es ist offenbar der schönere Soldatentod, gefallen
und nicht verunglückt zu sein.
Natürlich handelt es sich um Krieg und und nicht um bewaffnete
Aufbauhilfe. Es befinden sich an die 100000 ausländische
Soldaten, davon 4500 Deutsche, am Hindukusch. In Afghanistan sollte
der internationale Terrorismus an seiner Wurzel ausgerottet werden.
Doch erst mit dem gewaltsam erzwungenen Regimewechsel in Kabul ist
die Region tatsächlich zu einer Quelle von kaum noch
beherrschbarer Gewalt geworden. Zugleich erwies sich, daß die
zur Kollaboration bereiten Kräfte in Afghanistan auch sonst zu
jeder Schweinerei bereit waren. Es sind die von den Okkupanten
geschaffenen, den Tribalismus und die Warlords-Herrschaft
begünstigende Verhältnisse, die Korruption und
Kriminalität zum Erblühen brachten und die
gewünschte »gute Regierungsführung« ad
absurdem führten. Guttenbergs arrogante Worte sind in den Wind
gesprochen.
Sie machen aber auch deutlich, daß der Afghanistan-Krieg in
Deutschland immer unpopulärer wird. Deshalb wurde ja auch der
derzeit populärste Politiker an die Spitze der Kriegsfront
beordert. Seinen hohen Beliebtheitswert wird Guttenberg jedoch nur
halten können, wenn er ein Ausstiegsszenario aus diesem Krieg
vorweisen kann. Aus einem Krieg, den die Mehrheit der
Bevölkerung – die grüne Stammwählerschaft
ausgenommen – als völlig sinnlos betrachtet. Da Mahmud
Karsai weder willig noch fähig ist, den Forderungen des
deutschen Freiherren nachzukommen, wären an sich alle
Voraussetzungen für den deutschen Truppenabzug gegeben.