13.11.2009 / Ansichten / Seite 8Inhalt

Stammtisch-Held

Guttenberg redet Klartext

Von Werner Pirker
Der neue deutsche Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg hat seinen ersten Auslandseinsatz dort absolviert, wo nach Ansicht seines Vor-Vorgängers Deutschlands Verteidigung zu beginnen habe: am Hindukusch. So klar scheint das allerdings nicht mehr zu sein. Guttenberg stellte an ein weiteres Engagement der Bundeswehr in Afghanistan Bedingungen. Die Regierung Karsai müsse ein klares Zeichen zur Korruptions- und Kriminalitätsbekämpfung sowie zur guten Regierungsführung setzen, forderte er. Worte, die den afghanischen Präsidenten wohl kaum beeindruckt, ihre Wirkung auf das deutsche Publikum aber nicht verfehlt haben dürften.

Denn der Herr zu Guttenberg ist der Prototyp eines elitären Stammtischhelden. Was auch immer er an gedrechselt formulierten Banalitäten von sich gibt, ist auf unreflektierte Zustimmung ausgerichtet. Er ließ mitteilen, der korrupten afghanischen Staatsführung die Rute ins Fenster gestellt zu haben. »Wir haben die Erwartung, daß geliefert wird«, mahnte er auf Gutsherrenart höhere politische Abgabeleistungen an. Das kommt gut an an der Heimatfront. Und auch in der Truppe, die sich von »der Politik« zunehmend verschaukelt fühlt. Deren Selbstwertgefühl versuchte der Verteidigungsminister zu stärken, indem er ihr zugestand, sich »in einigen Gebieten in Afghanistan im Krieg« zu befinden. Es ist offenbar der schönere Soldatentod, gefallen und nicht verunglückt zu sein.

Natürlich handelt es sich um Krieg und und nicht um bewaffnete Aufbauhilfe. Es befinden sich an die 100000 ausländische Soldaten, davon 4500 Deutsche, am Hindukusch. In Afghanistan sollte der internationale Terrorismus an seiner Wurzel ausgerottet werden. Doch erst mit dem gewaltsam erzwungenen Regimewechsel in Kabul ist die Region tatsächlich zu einer Quelle von kaum noch beherrschbarer Gewalt geworden. Zugleich erwies sich, daß die zur Kollaboration bereiten Kräfte in Afghanistan auch sonst zu jeder Schweinerei bereit waren. Es sind die von den Okkupanten geschaffenen, den Tribalismus und die Warlords-Herrschaft begünstigende Verhältnisse, die Korruption und Kriminalität zum Erblühen brachten und die gewünschte »gute Regierungsführung« ad absurdem führten. Guttenbergs arrogante Worte sind in den Wind gesprochen.

Sie machen aber auch deutlich, daß der Afghanistan-Krieg in Deutschland immer unpopulärer wird. Deshalb wurde ja auch der derzeit populärste Politiker an die Spitze der Kriegsfront beordert. Seinen hohen Beliebtheitswert wird Guttenberg jedoch nur halten können, wenn er ein Ausstiegsszenario aus diesem Krieg vorweisen kann. Aus einem Krieg, den die Mehrheit der Bevölkerung – die grüne Stammwählerschaft ausgenommen – als völlig sinnlos betrachtet. Da Mahmud Karsai weder willig noch fähig ist, den Forderungen des deutschen Freiherren nachzukommen, wären an sich alle Voraussetzungen für den deutschen Truppenabzug gegeben.
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