Demonstration in Göttingen soll an Tod von Conny Weßmann vor 20 Jahren erinnern
Von Max Eckart
Vor 20 Jahren starb die Studentin Conny Weßmann am Rande
eines Polizeieinsatzes in Göttingen. Am 17. November 1989
hatten Antifaschisten in der Stadt gegen Neonazis demonstriert, die
Linken wurden von Polizisten verfolgt. »Sollen wir sie jetzt
plattmachen?«, fragte einer im Polizeifunk. Die
24jährige Conny Weßmann floh auf die vielbefahrene
Weender Landstraße, wurde dort von einem Auto erfaßt
und starb an ihren Verletzungen.
An ihren Tod wollen an diesem Samstag zahlreiche Menschen erinnern.
Zur Teilnahme an der nicht angemeldeten Demonstration haben
Initiativen und autonome Gruppen aus ganz Deutschland aufgerufen.
Auf Plakaten, die im Stadtgebiet geklebt wurden, steht: »Vor
20 Jahren wurde Conny von der Polizei in den Tod gejagt.« Die
Göttinger »Antifaschistische Linke International«
(A.L.I.) nennt in einer Presseerklärung »den Tod unserer
Genossin Conny einen politischen Mord, weil das Einsatzkonzept der
Polizei Verletzte und Tote billigend in Kauf genommen
hat.«
Eine Sprecherin der A.L.I. forderte die Polizei auf, »sich
angesichts des Anlasses der bevorstehenden Demonstration und
Mahnwache deutlich zurückzuhalten. Alles andere wäre eine
unerträgliche Provokation.« Die Grüne Jugend in
Göttingen rief die Polizei in einem Brief ebenfalls zur
Deeskalation auf. Trotz einer fehlenden Demonstrationsanmeldung
solle die Polizei das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit nicht
einschränken. Um Ausschreitungen zu vermeiden, bedürfe es
der Mitwirkung aller beteiligten Gruppen.
Der Göttinger Stadtrat bat Polizei und Demonstranten um einen
friedlichen Verlauf der Demonstration. In einem mit den Stimmen von
SPD, Grünen und Linkspartei mehrheitlich verabschiedeten
Antrag wird Göttingens Polizeipräsident Hans Wargel zudem
aufgefordert, für künftige Einsätze ein
zeitgemäßes Deeskalationskonzept zu entwickeln. Es solle
sich an Konzepten orientieren, die noch vor wenigen Jahren zum
vergleichsweise friedlichen Verlauf vieler großer
Demonstrationen beigetragen hätten. Zuletzt hatten behelmte
Polizisten viele Demos in der Stadt eng begleitet oder sogar
eingekesselt.
Der leitende Göttinger Polizeidirektor Thomas Rath sagte, der
Anlaß der Demonstration mache alle Seiten betroffen. Er hoffe
auf einen friedlichen Demonstrationsverlauf, in dessen Mittelpunkt
die Trauer stehe. Rath geht von einem »größeren
und sensiblen« Einsatz aus. Eine friedliche Demonstration
werde die Polizei zulassen, bei drohender Gewalt aber
einschreiten.
Die Demonstration beginnt am Samstag um 15 Uhr auf dem
Göttinger Marktplatz. Auch an den Tagen zuvor und danach sind
Veranstaltungen zum 20.Todestag von Conny Weßmann
angekündigt. So gibt es heute abend im Jugendzentrum
Innenstadt ein Solidaritätskonzert. Am 17. November wird in
der Alten Mensa eine Plakat- und Bilderausstellung zur Geschichte
des antifaschistischen Protestes in Göttingen eröffnet.
Abends soll es eine Mahnwache an der Stelle geben, wo die Studentin
vor 20 Jahren starb.